Diskussion: Unsere Klosterkirche - früher und heute

P.i.R. Rolf Sahlfeld führt seit zwei Jahren Gäste durch die Klosterkirche. Im "Marienkontakt" (Dez.07 - Feb.08) beschreibt er die Veränderungen in der Klosterkirche nach der letzten größeren Umgestaltung des Kirchenraumes in den 1960er Jahren und stößt damit auch eine Diskussion über diese Veränderungen an.

Er schreibt: Seit etwa zwei Jahren biete ich im Auftrag von Äbtissin und Konvent des Klosters Barsinghausen Führungen durch die Klosterkirche und das Kloster an in der Nachfolge von Frau Johanna Bothe, die diese Aufgabe fast 20 Jahre lang wahrgenommen hatte. Die Besucher kommen aus Barsinghausen selbst, aus Hannover und auch von weiter her. Oft sind es ehemalige Barsinghäuser. Vor allem von diesen werde ich häufig auf die Veränderungen angesprochen, die unsere Kirche in den letzten 50 Jahren durchgemacht hat.

Die Veränderungen im Altarraum

Diese Veränderungen betreffen vor allem den Chorraum und hängen weitgehend mit dem Einbau der von Kurt Sohns ab 1960 gestalteten Apsisfenster zusammen. Damit diese Fenster (mit den Motiven Kelch Kreuz Taube) überhaupt zu sehen waren, wurde 1960 das Altarbild von 1865 entfernt. Dieses war von dem damaligen Hofmaler Carl W.F. Oesterley aus Hannover gemalt und zeigt den einladenden Christus nach Matthäus 11, 28. Es befindet sich heute im oberen Gang des Klosters. An seiner Stelle wurden im Jahre 1962 die 100 Jahre zuvor beim Abbruch der alten Nonnenempore gefundenen Relieftafeln in neuer von Kurt Sohns gestalteten Aufhängung als Altarretabel aufgestellt. Bis dahin hatten die Relieftafeln zusammengefasst in einem Holzschrein den "Klosterchor³ geschmückt (vergl.Abbildung). Von den auf der Abbildung noch erkennbaren Malereien, die von 1911 stammten, ist nach der Renovierung im Jahre 1960 nur noch das große Bild mit der "Majestas Domini³ in der Apsiswölbung übriggeblieben. Alles Weitere wurde wahrscheinlich übermalt. Ferner wurde das aus Deistersandstein gearbeitete Lesepult von 1865 entfernt. Es ist erhalten und steht heute im "Lapidarium³ des Klosters. Auch das alte Chorgestühl ist seinerzeit beseitigt worden.

Weitere Veränderungen

Zunächst wurde damals auch der lange nicht mehr als solcher benutzte und außerhalb der Kirche befindliche Taufstein von 1588 auf dem Chor aufgestellt (nach 1975 dann in die heutige Taufkapelle vor dem von Kurt Sohns gestalteten Bergmannsfenster versetzt). Schließlich wurde 1965 die neuromanische Kanzel entfernt (genau 100 Jahre nach ihrer Entstehung). Von dieser sind die Figuren des Kanzelkorbes sowie des Schalldeckels erhalten (heute im oberen Gang des Klosters aufgestellt). Auch der sandsteinerne Fuß der Kanzel (heute im Eingangsbereich mit dem Opferstock darauf) und der Schaft (heute im Lapidarium des Klosters) sind erhalten; der aus Eichenholz gefertigte Kanzelkorb sowie der ebenfalls hölzerne Schalldeckel dagegen sind wohl zerstört. Schließlich wurde um 1975 die 110 Jahre zuvor erbaute obere Empore im Westen der Kirche abgebrochen und die neue Orgel (nach Abbruch der alten , auf der nördlichen Seitenempore stehenden) um 1980 auf der Westempore plaziert. Zuletzt wurde die Eichenholzbrüstung der Empore steinfarbig gefasst (also überstrichen).Die Verantwortung für alle diese Maßnahmen tragen der damalige Kirchenvorstand sowie die Klosterkammer. Vorzüge der Umgestaltung Die Reaktion vieler alter Barsinghäuser (und auch vieler jüngerer, wenn man ihnen die alten Fotografien zeigt) lässt sich so zusammenfassen: Einhellig begrüßt wird die 1960 ff. angebrachte Verglasung von Kurt Sohns. Unsere Klosterkirche ist dadurch künstlerisch ungemein bereichert worden. Auch die Gestaltung der Taufkapelle stößt auf einhellige Zustimmung. Schließlich hat noch nie jemand den Abbruch der zweiten (oberen) Westempore bedauert. Verluste und mögliche Korrekturen Kritisch dagegen wird die Altargestaltung gesehen. Viele Ältere hätten gerne das vertraute Bild des einladenden Christus wieder in der Kirche, wenn auch nicht vorne auf dem Altar (das Bild würde den Blick auf die Fenster stören). Aber könnte man es nicht sonst in der Kirche sichtbar aufhängen? Ferner wird die Entfernung der in der Tat (mit Rücksicht auf die obere Empore) sehr hohen alten Kanzel bedauert. Als die zweite Empore abgebrochen wurde, hätte man den Kanzelschaft auch einfach kürzen können. Die jetzige Kanzel findet kaum Verteidiger. Schließlich wird vielfach vorgeschlagen, das erhaltene sandsteinere Lesepult wieder in der Kirche aufzustellen. Kaum jemand findet das jetzige Lesepult passender, höchstens praktischer (da leicht verschiebbar). Zu erwähnen ist noch, dass z.B. in der Klosterkirche Marienwerder der steinfarbene Anstrich der Emporenbrüstung wieder zugunsten der natürlichen Eichenholzfassung entfernt worden ist. Das wäre auch in Barsinghausen möglich. Was meint die Gemeinde? Irgendwann wird sicher auch bei uns eine Innenrenovation der Kirche fällig. Es wäre schön, wenn den Verantwortlichen dann die Wünsche der Gemeinde bereits bekannt wären. Darum würde sich der Kirchenvorstand Über Rückmeldungen zu den erwähnten Möglichkeiten freuen. Selbstverständlich können auch weitere Vorschläge zur Ausgestaltung des Kircheninneren gemacht werden. Anregungen können schriftlich oder mündlich bei den Pfarrern oder den Kirchenvorstehern eingereicht werden. Vielleicht entwickelt sich ja eine fruchtbare Diskussion.



Fotos: Foto Windhorn

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Übergabe am 1. Advent im Gottesdienst
29.11.2008 - Quelle: