Start  »  Gemeinden  »  Ronnenberg  »  Wettbergen

Zur Geschichte von "ELIAS" - Erfülltes Leben im Alter-Solidarität

Ein Modell für Betreutes Wohnen
 
Die Enttäuschung war groß. Ratlos und sprachlos saß die Runde der alten Damen nach dem Gemeindeabend zusammen. In den letzten Monaten hatten sie lebhaft Anteil genommen an der Entstehung des neuen Altersheimes in Wettbergen. Sie hatten sich darauf gefreut, ihren Lebensabend in dem vertrauten Stadtteil in einem Projekt des Betreuten Wohnens des Karl-Flor-Hauses gestalten zu können. Nun – das Haus war noch nicht einmal fertig – mussten sie erfahren, dass dieser Traum zu Ende war. Ein Umzug in den schönen und liebevoll gestalteten Neubau war nicht möglich. Hierfür reichte die Rente einer Krankenschwester, einer Kindergärtnerin
oder ehemaligen Sekretärin nicht aus. Der Traum war unbezahlbar. 
ENTSPRECHEND RATLOS war auch das Mitarbeiterteam im Pfarramt. Damit hatten wir nicht gerechnet, obwohl wir an den Planungen des Birkenhofes für das neue
Altersheim in Wettbergen beteiligt waren. Es konnte und durfte einfach nicht sein, dass ältere Menschen, die ein ganzes Leben lang treu der Kirche verbunden waren und sich darüber hinaus ehrenamtlich im Gemeindeleben engagiert hatten, aufgrund ihrer Finanzsituation im Alter aus kirchlichen Einrichtungen ausgeschlossen
blieben. Am Runden Tisch, an dem auch Architekten beteiligt waren, wurde das Problem der Kosten solcher Einrichtungen erörtert. Schnell war klar, dass ein weiterer Neubau unerschwinglich und auch nicht preiswerter sein würde. Die einzige Chance, etwas ähnlich Angemessenes zu schaffen, lag im Ankauf oder in der Anmietung eines Altbauobjektes. Die verschiedenen Möglichkeiten wurden durchgespielt und durchgerechnet. Gab es nicht in unmittelbarer Nähe der Kirche die alte Wohnanlage Edelhof? Zu diesem Zeitpunkt verwohnt und wenig einladend. Zu unserer großen Freude liefen wir mit unserem ersten Anruf bei dem Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Gartenheim, der Trägerin der Anlage, offene Türen ein. Schon in den nächsten Wochen entstand ein gemeinsames Konzept. Gartenheim übernahm es, den gesamten Baukomplex so zu sanieren, dass die Anlage sich heute einladend anbietet. Zugleich blieben die Kosten in einem Rahmen, der auch für die Mitglieder unserer Gemeinde akzeptabel war. Die Betreuung der alten Menschen übernahm unser Freundeskreis für Behinderte und Nichtbehinderte Wettbergen e.V. Die neuen Bewohner in den alten Mauern haben in dieser schönen Anlage eine neue Heimat gefunden. Unübersehbar ist das lebendige und fröhliche Miteinander älterer Menschen. Eine Aktivität folgt der nächsten und die Gemeinschaftswohnung ist ein beliebter Treffpunkt. Eines darf nicht unerwähnt bleiben. Der Start in das neue Projekt blieb für die Mitarbeiter der Kirchengemeinde nicht ganz ohne Enttäuschungen. Viele der älteren Menschen, die von uns eine solche Anlage erwartet, ja gefordert hatten, zeigten sich plötzlich ausgesprochen reserviert, wenn die Frage der konkreten Anmietung oder des Umzuges angesprochen wurde. Unerwartet groß waren die Ängste und Vorbehalte vor dem Auszug aus dem vertrauten Lebensraum. Wie bekomme ich alle meine schönen Möbel in einer kleineren Zweizimmer-Wohnung unter? Komme ich überhaupt mit meinen neuen Nachbarn klar? Hat es nicht noch Zeit für diesen Schritt? Bedenken über Bedenken tauchten auf. Ganz anders ist heute die Meinung derer, die den Schritt in die vermeintliche Unsicherheit wagten: „Wir sind viel zu spät umgezogen“. „Es wäre sinnvoll gewesen, wenn wir diesen Schritt schon zehn Jahre früher getan hätten“. „Wenn ich mein jetziges Leben mit der Zeit in der alten Wohnung vergleiche, empfinde ich meinen Umzug immer noch als einen großen Glücksfall.“ Die Attraktivität unseres Betreuten Wohnens und damit auch die Nachfrage ist inzwischen so groß, dass die Zahl der Wohnungen in der Altenwohnanlage nicht mehr ausreicht. So wurde die Betreuung auch auf Wohnungen im benachbarten Hochhaus ausgedehnt, das ebenfalls zur Wohnungsbaugenossenschaft Gartenheim gehört. Die Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und einem freien Wohnungsbauträger ist eine für beide Seiten erfreuliche Erfahrung geworden.
Aus dem Medium Mai 2005