Gedenkgottesdienst für die Opfer der Atomkatastrophen
Der Kirchenkreis lud am Tschernobyl-Jahrestag nach Ronnenberg ein
27.04.2011 - Quelle: Kirchenkreis
Am 26. April 1986 explodierte der Atomreaktor in Tschernobyl. Anlässlich des 25. Jahrestages dieser Katastrophe lud der Kirchenkreis Ronnenberg am 26. April um 19 Uhr zum Gedenkgottesdienst in die Michaeliskirche in Ronnenberg ein. Rund 30 Gäste feierten einen Gottesdienst, in dessen Mittelpunkt das Erinnern an die Opfer der Tschernobyl-Katastrophe und die Folgen des Supergaus vor 25 Jahren standen. Nach einem Orgelvorspiel hörte die Gemeinde eine Aufnahme der ersten Fernsehmeldungen über den Gau vor 25 Jahren. Superintendent Hermann de Boer, Pastor Friedrich Strauß, Pastorin Ute Kalmbach und Pastor Klaus-Thilo von Blumröder sprachen von ihren Erinnerungen an diese Zeit und lasen Texte von Betroffenen, unter anderem einer Lehrerin, die in einem der umgesiedelten Dörfer in der Sperrzone rund um die Reaktoren lebte. Sie zündeten Kerzen für die Opfer an und luden alle Gäste ein, ebenfalls Kerzen in ein auf dem Boden im Altarraum liegenden Kreuz zu stecken. Im Gedenken an die Opfer teilten anschließend die Gottesdienstbesucher Brot und Wasser - eine Tradition aus der orthodoxen Kirche, wie Superintendent de Boer erklärte. Ostern würden die Hinterbliebenen ihre Verstorbenen auf den Friedhöfen besuchen und dort auch etwas essen und trinken - ein Versuch, die Verstorbenen wieder am Leben teilnehmen zu lassen. "Elektrizität lässt sich schlecht speichern. Betroffenheit lässt sich ebenfalls schlecht speichern", sagte in einer Ansprache Pastor Strauß. Die Natur dagegen vergesse nie. Die Zahl der Krebserkrankungen nach Tschernobyl werde erst noch ihren Höhepunkt erreichen. Es dauere drei Milliarden Jahre bis der radioaktive Müll, der in Gorleben eingelagert werden solle, das "normale" Maß erreicht habe. Vor drei Milliarden Jahre habe sich die Erde erst gebildet, mit unserer Weisheit von 80 Lebensjahren wollten wir die Verantwortung für drei Milliarden Jahre übernehmen.
Superintendent de Boer plädierte für mehr Respekt vor der Schöpfung. Die Schöpfungstaten Gottes seien Grenzsetzungen gegenüber des davor herrschenden Chaos'. "Es bedarf der Grenze. Nur innerhalb der Grenze ist Leben Möglich, Grenzen, die das Leben vor dem Verderben schützen", meinte er. Zu den Grenzziehungen gehöre auch, Dinge zu unterlassen, die technisch möglich sind. Wenn die Menschen die Grenzen ihres Handels überschritten, drohe neues Chaos. "Wir brauchen eine neue Ehrfurcht vor dem Leben. Der Mensch ist ein Glied in der Kette der Schöpfung", erklärte de Boer.
Foto (Freitag): Im Gedenken für die Opfer von Tschernobyl und Fukushima zünden die Gottesdienstbesucher Kerzen an.
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