Armut und Reichtum in der Bibel ist Thema bei fünfter Veranstaltung zum Jahresthema

Prof. em. Dr. Frank Crüsemann sprach in Barsinghausen

12.11.2009 - Quelle: Kirchenkreis

Wie zeigen sich Armut und Reichtum in der Bibel? Diese Frage gehörte am Dienstagabend zum letzten Vortragsabend der Kirchenkreis-Veranstaltungsreihe über „Armut trotz Reichtum“. Mehr als 60 Gäste hörten im Saal der Mariengemeinde dazu einen Vortrag des emeritierten Professors Dr. Frank Crüsemann aus Bielefeld. Er stellte verschiedene Texte aus der Bibel vor. „Arme und Reiche sind beide gleichermaßen von Gott gemacht, haben die gleiche Würde und Menschlichkeit. Der Gegensatz zwischen Arm und Reich ist nicht gottgewollt“, zog er eine Lehre. Mahnende Worte hätten Propheten der Bibel gefunden, so Crüsemann. So fehle laut Jesaja der Reichtum der Besitzenden in den Häusern der Armen. Im 5. Buch Mose fand der Theologe deutliche Hinweise, die über die reine Nächstenliebe hinausgingen. „Es gab in diesem Buch der Thora Gesetze, wie eine Armensteuer, mit der ein Teil des Zehnten an die Besitzlosen ging, es gab ein Zinsverbot, das nicht am Elend der Menschen verdient werden durfte und Regelungen zum Schuldenerlass und zur Freilassung von Sklaven alle sieben Jahre“, zählte er auf. Dies sei das erste soziale Netz gewesen, ein Urbild des sozialen Staates. Landbesitz oder eine gute Ernte wurden als Segen Gottes verstanden. Gesetze seien keine freiwillige Abgabe gewesen, sondern bindende Rechtsregeln als Teil des Bundes Gottes mit seinem Volk. „Diese Gesetze gehen weiter als das Gebot der Nächstenliebe. Beides ist in der Bibel enthalten und Jesus verweist auf das Gesetz“, betonte Crüsemann in der anschließenden Diskussion. Es gehe mit Blick auf Arm und Reich um eine Begegnung auf Augenhöhe in der Bibel. Von beiden gehe Segen aus, Gott begegne im Reichen, wie im Armen. Dies verändere auch die Begegnung mit Armen, die nicht nur Objekte von Hilfe sind. „Armut muss nicht sein, auch heute nicht. Sie kann bekämpft werden“, folgerte er aus den biblischen Texten.

Die Veranstaltungsreihe zum Jahresthema im Kirchenkreis Ronnenberg endet am Mittwoch, 18. November, Buß- und Bettag, mit einem Gottesdienst in der Michaeliskirche in Ronnenberg. In der Kirche predigt um 19 Uhr der Hannoversche Diakoniepastor Hans-Martin Joost. Außerdem wird die neue Ehe- und Lebensberaterin Sigrid Haynitzsch in ihr Amt eingeführt.

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