Professor Jürgen Ebach zu Gast in Ronnenberg
Vortrag über Gott und das Böse in der Bibel
12.10.2008 - Quelle: Kirchenkreis
Im September begann eine Reihe mit Veranstaltungen im Kirchenkreis Ronnenberg, in der sich Referenten aus verschiedenen Blickwinkeln mit Facetten des Bösen befassen. Nach den beiden ersten Abenden über Märchen und über Kunst sprach am Freitagabend der bekannte Theologe Professor Jürgen Ebach in Ronnenberg. Gut 60 Gäste hörten den einstündigen Vortrag im Haus der Michaelisgemeinde. In ihm entfaltete er die Frage nach Ursachen des Bösen. „Antworten, die die Bibel auf die Frage nach dem Bösen gibt, darauf, ob Gott selbst Böses tun kann, warum es das Böse gibt, führen wieder zu neuen Fragen“, betonte der Theologe. Es gäbe in der Bibel nicht die eine gültige Antwort, sondern immer mehrere. Ein Beispiel sei der Satan, der Teufel. „Er dient in einigen Bibeltexten der Entlastung Gottes. Gott kann so der ‚liebe’ Gott bleiben. Andere Texte entlassen Gott nicht aus der Frage nach dem Bösen, für das er selbst verantwortlich ist“, so Ebach. Stattdessen kenne die Bibel auch die Reue Gottes. So revidiere Gott in der Geschichte um Noah und die Arche seine Entscheidung, die Menschheit auszurotten und lasse einen Neuanfang zu. Ebach gab eine doppelte Antwort auf die Frage nach dem Bösen. „Gott verursacht das Böse“ und auch der Satz „Das Böse geschieht gegen Gottes Willen“ haben ihre Berechtigung. Das Böse gäbe es auch, weil Gott den Menschen die Freiheit gab, auch Böses zu tun. An eine Grenze stießen viele Antwortversuche auf die Frage nach den Ursachen: „Spätestens an Auschwitz zerbricht eine Frömmigkeit, die im Übel, im erlittenen Unheil einen Plan Gottes, einen Segen sieht. Spätestens hier zeigt sich, dass vermeintlich fromme Demut ins Gegenteil umschlägt, nämlich in den Hochmut, Gottes Plan zu kennen“, meinte der Hochschulprofessor. Jürgen Ebach gehört zu den prominenten Theologen in Deutschland. Er hat seit 1996 einen Lehrstuhl in Bochum inne. Er ist einer der Herausgeber der neuen Bibelübersetzung in gerechter Sprache, ist Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages und einem größeren Kreis auch durch die viel beachteten Bibelarbeiten auf den Kirchentagen bekannt. An seinen Vortrag in Ronnenberg schloss sich eine Diskussion mit Nachfragen an.
Die nächste Veranstaltung der Reihe „Das Böse – Faszinieren und bedrohlich“ ist ein Abend für Jugendliche ab 14 Jahre am Freitag, 7. November, ab 17.30 Uhr im Gemeindehaus der Johanneskirche in Empelde, Hallerstraße 3. Am Dienstag, 11. November, ist „Das Böse und seine Überwindung im Film“ Thema einer Veranstaltung in der Corvinuskapelle in der Wennigser Mark. Der Abend mit Filmbeispielen beginnt um 19 Uhr.
Foto und Text: Sabine Freitag
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