Teilnehmende der Fastenaktion "7 Wochen leben mit Hartz IV" ziehen Bilanz

Die Probleme von Hartz-IV-Empfängern rücken in den Blick

18.05.2007 - Quelle: Kirchenkreis

Sieben Wochen lang lebten sie von den ihnen zustehenden Hartz-IV-Sätzen – jetzt zogen die 16 Haushalte aus Barsinghausen und Umgebung, die sich an der Fastenaktion „und plötzlich bist du arm“ im Kirchenkreis Ronnenberg ihre Bilanz dieser Zeit. Kirchenkreissozialarbeiterin Andrea Schink wertete zum Beispiel die Ausgabenbücher aus, die die bis zum Schluss dabeigebliebenen 14 Haushalte abgaben. Bei einem Abschlusstreffen zogen die Frauen und Männer eine weitgehend ernüchternde Bilanz. „Ich selbst war nach fünf Wochen so weit, aufzuhören. Es war hart, ständig die begrenzten Geldmittel im Hinterkopf zu haben“, sagt Andrea Schink. Am Ende zeigten die Ausgabenbücher, dass lediglich zwei Familien mit dem Geld, dass ihnen rechnerisch zustand, ausgekommen wären – alle anderen nutzten die Überschreitungslisten. Vor allem das vom Gesetzgeber eigentlich vorgeschriebene Ansparen sei illusorisch gewesen, so Schink. Die Aktion habe für die Teilnehmer den Blick geschärft, ist sie sich sicher. Und auch aus der Bevölkerung habe sie die gesamte Bandbreite von Reaktionen – von Zustimmung hin zu Unverständnis – erlebt. Dass sich die knappen Hartz-IV-Gelder nicht nur auf den Einkauf auswirkten, hätten alle betont. „Verhungern tue ich nicht, verkümmern schon“, zitiert sie eine Teilnehmerin. Denn: „Auf Dauer wird die Teilhabe an kulturellen und schulischen Veranstaltungen, an Freizeitangeboten, an Geselligkeit im Verein, erschwert“, sagt die Sozialarbeiterin. Vor allem Familien mit Kindern erlebten, dass Kopiergelder, Materialien für die Schule zu hohe Kosten verursachten und tiefe Löcher in die Kasse rissen. Die sieben Wochen mit Hartz-IV sind vorbei – das Thema aber nicht zu den Akten gelegt. In Fachausschüssen des Kirchenkreistages, in Diskussionen und auch auf kommunalpolitischer Ebene soll weiter gearbeitet werden. Ein Beispiel: Die Forderung nach einem Sozialticket im öffentlichen Personennahverkehr der Umlandregion, wie es in Hannover bereits besteht. Zusätzliche Kosten in der Schule sollen ebenfalls auf den Prüfstand gebracht werden. Und auch kirchliche Veranstalter werden auf Konferenzen aufgerufen, stärker als bisher Ermäßigungen für Eintritte oder Fahrten im Blick zu haben. Teilnehmer der Fastenaktion bereiten außerdem eine Veranstaltung im Rahmen der Woche der Diakonie vom 2. bis 9. September vor. Das Motto der Woche lautet „Mitten im Leben“.

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