Viele Gäste beim Empfang des Kirchenkreises am Vorabend des Reformationsfestes
Gabriele Erpenbeck aus dem Niedersächsischen Innenministerium spricht über Integration
31.10.2008 - Quelle: Kirchenkreis
2017 jährt sich ein Ereignis zum 500. Mal, das den markanten Beginn der Reformation bedeutet: Die Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers an die Schlosskirche zu Wittenberg. Um die Bedeutung dieses Ereignisses für die evangelisch-lutherische Kirche hervorzuheben, gründet Superintendent Hermann de Boer im letzten Jahr eine neue Tradition, die am Donnerstagabend fortgesetzt wurde. Jeweils am Vorabend des Reformationstages lädt der Kirchenkreis neben engagierten Mitarbeitern in Gemeinden und Einrichtungen auch Vertreter der Kommunen, Parteien, Vereine, Verbände und der Ökumene zum Empfang ein. „Der Thesenanschlag in Wittenberg steht für den Beginn einer umfassenden Erneuerung nicht nur des kirchlichen Lebens. Gleichzeitig stellt uns das Ereignis vor fast 500 Jahren auch die Frage, wie es mit Kirche und Gesellschaft heute steht. Wovon lässt sich die Kirche leiten? Was hat sie Staat und Gesellschaft zu sagen?“, meinte de Boer zu Beginn des Empfangs vor rund 150 Gästen in der Michaeliskirche in Ronnenberg. Die Kirche stehe vor großen Herausforderungen. Mit dem Rückgang von Mitgliederzahlen sinken auch die Einnahmen. Gleichzeitig bemerkte de Boer eine wachsende Nachfrage nach geistlicher und ethischer Orientierung der Menschen. Die Kirche stünde vor der Herausforderung, sich zu erneuern und gleichzeitig zu bewahren, was ihr aufgetragen sei. Unverzichtbare Kennzeichen der Kirche seien die Verkündigung der christlichen Botschaft und die Diakonie. Ort dieser Aufgaben sei die Gemeinde. „Kirche muss offen und einladend, aber zugleich verbindlich sein. Im Dialog mit anderen Werten, Überzeugungen, Religionen muss sich die Kirche klar und deutlich in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen“, erklärte de Boer. Er ging in seiner Ansprache auch auf die derzeitige Finanzkrise ein. „Der Markt, so hat sich gezeigt, regelt nicht alles von allein. Es bedarf neuer Maßstäbe, die das Lebensrecht aller berücksichtigt“, so de Boer. Die Vereinten Nationen hätten in ihren Milleniumszielen errechnet, dass jeweils 82 Milliarden Dollar in fünf Jahren reichen würden, um die schlimmsten Plagen der Menschheit, wie Hunger oder mangelnde Bildung zu besiegen. Die sei eine geradezu lächerliche Summe angesichts der Mittel, die zurzeit Banken zur Verfügung gestellt würden, kritisierte de Boer. Gabriele Erpenbeck, Leiterin der Abteilung Integration im Niedersächsischen Innenministerium, rückte anschließend ein gesellschaftlich aktuelles Thema in den Mittelpunkt. „Der Dialog zwischen Deutschen und Zugewanderten muss im Alltag geführt werden. Vor Ort sind die Experten, dort wo das Leben konkret wird“, meinte Erpenbeck und plädierte für ein gleichberechtigtes Nebeneinander. Die Verfassung gebe den Rahmen für das Miteinander vor; in ihr seien Normen und Regeln festgelegt, die nicht zur Disposition stünden. Die Bereitschaft zum Dialog müsse auf beiden Seiten vorhanden sein. Dafür sei die Umgangssprache eine der wichtigsten Voraussetzungen. „Gerade in dem Bereich der Sprache ist viel geschehen. Aber gerade im Hinblick auf Ausbildung und Arbeitsplätze für Migranten muss noch viel geschehen, um Hindernisse der Einbürgerung abzubauen“, unterstrich die Referentin. Es gebe eine Fülle von Programmen in Niedersachsen. Aber: „Integration ist mehr und ist vor allem keine schnelle und einfache Sache. Sie greift oft erst über Generationen“. Positiv bewertete Erpenbeck die Ausbildung von Integrationslotsen, die in vielen Kommunen helfen würden, kleine Hürden im Alltag zu überwinden. Neben allen Projekten müsse Diskriminierung entschieden entgegengetreten werden. Gewalt von Extremisten jeder Art erfordere ein konsequentes Vorgehen des Staates. Der erste Teil des Kirchenkreisempfanges endete nach gut einer Stunde in der Kirche. Marthe Kragt aus Gehrden unterhielt die Gäste mit selten gehörter Musik am Marimbaphon. Der Abend klang mit Gesprächen und einem Imbiss im Michaelis-Gemeindehaus am Kirchhof aus.
Fotos:
oben: Superintendent Hermann de Boer begrüßt die Referentin Gabriele Erpenbeck.
unten: Marthe Kragt spielt Marimbaphon.
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