Theologin Renate Höppner zu Gast beim Kirchenkreisempfang

20 Jahre Mauerfall ist Gesprächsthema am Vorabend des Reformationstages

01.11.2009 - Quelle: Kirchenkreis

Die Reformation vor gut 500 Jahren hat die Gesellschaft von Grund auf verändert. Kirche, meinte Superintendent Hermann de Boer beim Empfang des Kirchenkreises zum Reformationstag, lebe von Bewahrung und Veränderung. De Boer ging vor gut 100 Gästen am Freitagabend in der Michaeliskirche zunächst auf die drei zentralen Aufgaben der Kirche, Verkündigung, Diakonie und Gemeinschaft, ein.
Der Gottesdienst, unverzichtbar für jede Gemeinde, bereite Sorge, sagte de Boer. Er werde als altmodisch abgetan und sei häufig nur an Feiertagen gut besucht. Diese Entwicklung zur Event-Kultur-Kirche stelle nicht zufrieden. Gottesdienste würden auch an normalen Sonntagen gebraucht. Dabei komme es nicht darauf an, wie voll die Kirche sei. Auch die Diakonie sei unverzichtbar. Der Kirchenkreis versuche mit seiner Jahresreihe Armut trotz Reichtum eine Bestandsaufnahme zu machen. Armut ist wieder sichtbar. Und Armut ist ein Skandal , betonte de Boer und forderte einen Ausbau des Sozialstaates. Kirche führe als Gemeinschaft Menschen zusammen und biete die Möglichkeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Kirche trage zur Gemeinschaft in den Ortsteilen und Dörfern bei.
Kirche müssen sich heute den Herausforderungen stellen. Dazu gehört, zu hinterfragen, wofür Gott sie beauftragt hat und welche Impulse zur Veränderung der Gesellschaft führen , sagte de Boer. Solche Mosaiksteine zum Nachdenken legte die Pastorin Renate Höppner aus Magdeburg in der Michaeliskirche aus. Der Kirchenkreis hatte seinen Empfang zum Anlass genommen, an die friedliche Revolution vor 20 Jahren zu erinnern und sich mit der Frage zu befassen, was man aus der Wende lernen könne für die Herausforderungen der Zukunft.
Tut geduldig das, was ihr für notwendig erachtet habt. Habt Geduld, es kommt die Zeit, wo es gebraucht wird , war Höppners erster von drei Denkanstößen. Die in Erfurt geborene Pastorin nahm die Zuhörer für sich ein mit einem persönlich gefärbten und den DDR-Alltag sowie die Wende-Zeit skizzierenden Vortrag, der das Publikum auch zum Lachen brachte. Mit der Geschichte der Friedensgebete, die eben nicht nur eine Hochzeit zur Wende hatten, hatte Höppner ihren ersten Mosaikstein begründet.
Geht an die Grenzen des Erlaubten und überschreitet sie auch manchmal. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Grenzen eines Tages zurückweichen , war Höppners zweite Botschaft. Sie verknüpfte sie mit der Erinnerung an einen Olof-Palme-Friedensmarsch, bei dem die Gruppe Vorfahrt vor Panzern hatte. Als dritte Lehre aus ihrer DDR-Geschichte zog sie denkt voraus, denkt das Noch-Nicht-Mögliche. Es wird euch als Orientierung helfen in unübersichtlichen Zeiten. Das Zusammenwachsen beider Staaten sei für Ostdeutsche auch eine ernüchternde Lebenserfahrung gewesen. DDR-Bürger hätten nicht so richtig gewusst, was ihnen da entgegen kommt.
Gerade bei Veränderungen seien Konstanten gefragt. Kirche und Gottesdienste seien das. Kirche, appellierte Höppner an die Zuhörer, habe eine gesellschaftliche Verantwortung und solle für andere Menschen da sein. Als Pastorin mit DDR-Vergangenheit sei sie es gewohnt, politischer zu predigen. Und das Evangelium sei immer politisch. Dies sei die Botschaft, die man denjenigen nahebringen müsse, die sonntags nicht in die Kirche gingen.

Text und Fotos: Treeske Hönemann

Foto Seite oben: Superintendent Hermann de Boer begrüßte Pastorin Renate Höppner aus Magdeburg als Gastrednerin in der Michaeliskirche.
weitere Fotos von der Feier in der Kirche und dem anschließenden Empfang im Gemeindehaus in Ronnenberg.


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