Dr. Henning Scherf spricht über "Grau ist bunt - was im Alter möglich ist"

Rund 250 Gäste hören Vortrag in der Ronnenberger Michaeliskirche

19.09.2007 - Quelle: Kirchenkreis

Dem pessimistischem „Endzeitjammer“ über das Älterwerden und den befürchteten Folgen einer vergreisenden Gesellschaft in Deutschland setzt er bewusst eine optimistische Sicht der Dinge entgegen: Dr. Henning Scherf beschreibt in seinem Buch „Grau ist bunt – was im Alter möglich ist“, sein Erleben im Ruhestand und in einer Hausgemeinschaft, die er mit seiner Frau, Bekannten und Gleichgesinnten in Bremen gegründet hat. Am Dienstag, 18. September, war der frühere Bremer Bürgermeister zu Gast in der Michaeliskirche Ronnenberg. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe des Kirchenkreises Ronnenberg zum Jahresthema „Alternde Gesellschaft“ stellte er vor rund 250 Gästen sein Buch vor. Scherf erwies sich als brillanter Erzähler von Geschichten, als warmherziger Redner, der seine persönlichen Erlebnisse rund um das Älterwerden mit viel Humor gespickt zu Gehör brachte. „Ich war noch nie so frei, ohne Termindruck, wie zuvor. Wichtig ist es, Brücken zu bauen zwischen den Lebensabschnitten, um nicht plötzlich vom Ruhestand überrumpelt zu werden“, meinte der 68-Jährige. Als Mitglied der „exponiertesten Alten-WG“ fühle er und die weiteren Bewohnerinnen und Bewohner der insgesamt fünf Wohnungen in einer alten Stadtvilla, keineswegs als Exoten. Realisiert wurde keine „Träumerei“, sondern ein ernstes Zusammenleben. Mehrere Jahre habe sein Bekanntenkreis das Zusammenleben auf Urlauben oder Ausflügen „geprobt“. Vereinbart wurde eine professionelle, ambulante Pflege, falls diese bei einzelnen nicht mehr von der Hausgemeinschaft geleistet werden könne. Ein wichtiges Motiv für die WG sei der Wunsch, zu Hause sterben zu können, sagte er. Scherf berichtete von anderen Wohnprojekten, zum Beispiel in einem Bremer Quartier das von hoher Arbeitslosigkeit nach der Schließung der Vulkan-Werft betroffen sei. Mittlerweile sei das generationsübergreifende Wohnen ein Thema in allen Städten. Scherf endete seinen Vortrag mit einem Kanon in der Kirche, die für einige Gäste ungeheizt zu kalt war, und die deshalb schon vorzeitig den Raum verließen. „Die schöne Akustik muss ich hier ausnutzen“, sagte er und stimmte seinen Lieblingskanon „Dona nobis pacem“ an. Zum Ende signierte er am Ausgang seine Bücher. Der Erlös – rund 10000 Exemplare wurden bereits verkauft – und auch eine Spende der Besucher statt eines Honorars, gehen an das Hilfsprojekt „Pan y Arte“, das in Nicaragua tätig ist.

Fotos und Text: Sabine Freitag

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