Autorin liest in der Kirchenkreisreihe zum Jahresthema

Inge Kloepfer stellt Buch "Aufstand der Unterschicht" vor

01.10.2009 - Quelle: Kirchenkreis

Pastor Friedhelm Feldkamp und Buchhändlerin Karin Dörner begrüßten die Autorin Inge Kloepfer (Mitte) zur Lesung in Barsinghausen.

Deutschland entwickle sich zu einer Ständegesellschaft mit einer wachsenden Unterschicht. Dies ist eine These von Autorin Inge Kloepfer, die am Mittwoch, 30. September, aus ihrem Buch „Aufstand der Unterschicht“ im Kulturzentrum Barsinghausen (KuBa) vor gut 45 Gästen las. „Wir erleben ein Kartell des Schweigens von Politik, Wirtschaft und auch Gewerkschaften“, bemängelte die Volkswirtin. Ergebnis dieses Skandals: Eine Unterschicht, die sich durch wenig finanzielle Mittel, durch Bildungsferne, Perspektivlosigkeit auszeichne und systematisch neu nachwachse. Dies sei im Vergleich zu früheren Jahrzehnten eine Veränderung. In der Entwicklung von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft seien Massen an einfachen Tätigkeiten weggefallen, die Einkommen gesichert hätten. „Früher gab es die Arbeiterviertel, heute sind es Arbeitslosenviertel. Ein Aufstieg aus der unteren Schicht wird schwerer“, merkte sie in der Diskussion an. Kloepfer las auf Einladung des Bücherlädchens und des Kirchenkreises Ronnenberg in der Reihe „Armut trotz Reichtum“. In ihrem Buch lässt sie Jascha, einem 19-Jährigen aus Berlin, zu Wort kommen. „Jaschas Name und persönliche Daten wurden geändert, um ihn zu schützen. Aber es gibt ihn wirklich. Mit ihm habe ich viele Gespräche geführt, auch mit Sozialarbeitern, die ihn betreut haben, mit weiteren Fachleuten“, erklärte sie. Der Biographie Jaschas stellt sie Fakten aus den Armuts- und Reichtumsberichten der Bundesregierung und weitere Analysen von Wissenschaftlern gegenüber. So entsteht ein Blick auf eine Gesellschaft, in der sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet und in der Menschen systematisch zu Verlierern gemacht werden. Auch ihre negative Prognose für Jascha sei mittlerweile eingetreten, so Kloepfer. Er habe versucht, den Hauptschulabschluss nachzuholen und sei dabei gescheitert. "Er ist nicht dumm, aber er kann nicht lernen, blieb am Ende zu Hause", stellte sie fest.
Konkrete Diskussionsvorschläge, wie eine Stärkung der Familien oder von Ganztagsschulen, hob sie hervor. Dafür müsse viel Geld in die Hand genommen werden – die Rendite werde erst in 15 Jahren sichtbar sein. „In diesen Zeiträumen denkt leider kein Politiker“, verwies sie auf ein Dilemma. Ihr Fazit ist klar: „Wir können uns dies nicht leisten. Unsere Gesellschaft altert. Am Ende sinkt unser Wohlstand, wenn wir Menschen ausschließen und Humankapital nicht nutzen. Wir haben Verantwortung dafür. Mit Sozialromantik können wir nichts erreichen, aber mit ökonomischem Kalkül“, plädierte sie Die Kirche müsse fragen, wie Teilhabemöglichkeiten erreicht werden, erklärte Pastor Friedhelm Feldkamp. Das Augenmerk gelte den Verlierern der Gesellschaft, denen Gehör verschafft werden müsse.
Die Reihe „Armut trotz Reichtum“ wird am Mittwoch, 21. Oktober, um 19.30 mit „Wächst die soziale Kluft?“ im Zentrum der Margarethengemeinde Gehrden, Kirchstraße 4d fortgesetzt.

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