Wolfgang Winter referierte in der Kirchenkreis-Reihe "Das Böse - faszinierend und bedrohlich"

Rund 50 Gäste hören Vortrag über das Böse in tiefenpsychologischer Sicht

25.11.2008 - Quelle: Kirchenkreis

„Das Böse in tiefenpsychologischer Sicht“ - unter diesem Titel stand ein Vortrag von Wolfgang Winter im Gemeindehaus der Mariengemeinde am Donnerstag, 20. November. Der pensionierte Theologe und Pastoralpsychologe aus Göttingen ging vor rund 50 Zuhörern auf verschiedene Facetten des Bösen ein. "Jeder Mensch hat Erfahrungen mit dem Bösen als destruktive Macht, die Leiden im Leben von ihnen bewirkt hat", erklärte er. Traumata sind Ereignisse, in denen eine Flucht oder ein Kampf nicht möglich seien. Das Erlebnis von dieser Gewalt ist so überwältigend, dass das gewohnte Repertoire von Reaktionen nicht mehr zur Verfügung steht. Der Mensch erlebt absolute Ohnmacht. Wolfgang Winter warf vor allem einen Blick auf das Böse in menschlichen Beziehungen als Folge eines destruktiven Narzißmus. In ihm wandelt sich ein "gutartiger" Narzißmus in eine zerstörerische Form. "Anderssein kann nicht ertragen werden, oft erzeugt dies Gewalt. Es gibt nur Gefolgschaft oder Feindschaft, du oder ich. Andere Menschen werden 'entmenschlicht'. Der andere ist kein gegenüber mehr, sondern wird vernichtet", erklärte er. Als ein Beispiel verwies er auf die Verfolgungen im Dritten Reich. Ein anderes sei der Terrorismus, in dem das Töten spiritualisiert werde und die Allmacht über Menschen aber auch das eigene Leben des Terroristen ein wichtiges Gefühl sei. In der anschließenden Diskussion nannte Winter unter anderem Schritte, wie der Gewalt gegengesteuert werden könne. "Zulassen von Anderssein gehört dazu. Ich bin ein anderer und der andere auch. Ich bin nicht Herr im eigenen Haus, sondern sollte mich für das interessieren, welche Motive noch hinter mir stehen, was verdrängt wird", meinte er. Dazu komme eine Haltung, die den eigenen Standpunkt nicht als absolut setzt. Dies sei vor allem in Krisenzeiten schwer durchzuhalten.

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