"Räume des Glaubens im Mittelalter"

Dritter Vortrag der Reihe "Heilige Räume?"

08.10.2006 - Quelle: Kirchenkreis

Zu Beginn seines Vortrages in Ronnenberg am 4. Oktober 2006 erklärte der Historiker Jan-Hendryk de Boer (26 Jahre, Foto), Doktorand an der Universität Göttingen, vor rund 45 Zuhörern: „Raum und Gebäude meint nicht dasselbe.“ Diese Feststellung bot Anlass, zunächst den Begriff ‚Raum’ näher zu bestimmen: hervorgebracht werde Raum durch Materialität, Performanz (also körperliche Handlungen) und eine die Sinneswahrnehmung überformende Sinnstiftung.
Diese Kategorien bestimmten die weitere Gliederung des Vortrages. De Boer erläuterte jede an Beispielen aus dem Mittelalter, vor allem dem St. Galler Klosterplan (um 800) und den Baumaßnahmen und Schriften des Abtes Suger von Saint-Denis (erste Hälfte 12. Jh.). Mit einem Blick ins Spätmittelalter und auf das Problem des Schwätzens im Kirchengebäude schloss der Vortrag, um zu verdeutlichen, dass die Herstellung eines ‚heiligen’, also vom Profanen unterschiedenen Raumes immer auch eine Geschichte der Ausschließung bedeutet, so des Alltagslebens, aber auch der Armen und Bettler.
Besonderen Nachdruck legte der Referent auf die Festzustellung, dass Kirchenbänke als Versuch, Ordnung im Raum herzustellen, keinesfalls primär auf die Reformation zurückgingen, sondern es bereits zuvor Gestühl in Kirchen gegeben habe.
In der lebhaften sich anschließenden Diskussion wurden einzelne historische Aspekte des Vortrages vertieft und auch heutige Möglichkeiten zur Schaffung ‚heiliger Räume’ erörtert.

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