Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nun rückt er nah, der große Tag. Reformationstag 2017. Ein Feiertag. 500 Jahre Evangelische Kirche. Martin Luthers 95 Thesen zur Erneuerung der Kirche.

Was ist daraus geworden? Es wurde gefeiert in diesem Jahr, Versöhnung gefeiert mit der katholischen Kirche, eindrucksvoll in festlichen Gottesdiensten im Laufe des Jahres. Es wurde Abendmahl ökumenisch geteilt. Und an Luther erinnert. Viele großartige Veranstaltungen haben in unserem Kirchenkreis stattgefunden.

Immer wieder wurde auch an die Musik Martin Luthers erinnert. Ein Lied von Martin Luther kennen wohl alle: EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT.

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er’s jetzt meint,
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Die einen stehen auf, wenn sie das Lied singen (jedes Jahr in der Stadtkirche Wittenberg am 31.10). Andere bringen es nicht über die Lippen, weil das Lied düstere Erinnerungen weckt: Es wurde politisch missbraucht: Was Martin Luther als innere Anfechtung beschreibt: der ‚alt böse Feind‘, der nach der Seele greift, der Gottes Wort verdreht und das Leben verwirrt – es wurde politisch in die Verantwortung anderer Menschen verschoben. Dreist missbraucht wurde das Lied 1942: Der Satz ‚Das Reich muss uns doch bleiben‘ wurde auf das sogenannte ‚Dritte Reich‘ bezogen.

Das Lied ist im Gesangbuch geblieben. Es ist das Lied, in dem Gottvertrauen geübt wird.  Die feste Burg und Wehr und Waffen sind keine Mordinstrumente. Sie sind Bilder für eine Hoffnung, die selbst dann bleibt, wenn die Zeichen der Zeit anders gesetzt sind.

Es braucht eine feste Burg, die unsere Seele schützt; es braucht geistliche Vorräte, die den Glauben gegen Anfechtungen schützt.

Vieles, was wir im Reformationsjubiläumsjahr gefeiert haben, atmet Geschichte. Manches wird zur Last, wenn man es zutage fördert. Aber beim ‚Zutage fördern‘ kommt auch der ursprüngliche Gedanke mit ans Tageslicht. Martin Luther geht es um das Vertrauen zu Gott.  Das ist der Schatz, den wir immer wieder heben können, auch für unser Leben.

Es grüßt Sie

Superintendentin Antje Marklein