Kammermusical "Wenn Engel lachen"

Nachricht Empelde, 12. Februar 2017
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Ausdrucksstarkes Spiel: Miriam Küllmer-Vogt in der Rolle der Katharina von Bora.

Sie selbst sei von Katharina von Bora als eine kluge und tatkräftige Frau beeindruckt - mit diesen Worten begrüßte Pastorin Christiane Elster am Samstag, 11. Februar, rund 180 Gäste in der Johanneskirche in Empelde. In diesem besonderen Jubiläumsjahr der Reformation wollte die Gemeinde auch zu einer besonderen Veranstaltung einladen und hatte deshalb das Ensemble vom Theater Zauberwort aus der Nähe von Frankfurt eingeladen. "Wenn Engel lachen - die Liebesgeschichte(n) der Katharina von Bora" heißt das Kammermusical, in dem Miriam Küllmer-Vogt in die Rolle der 1523 aus dem Zisterzienserkloster Nimbschen geflohenen Nonne Katharina von Bora schlüpfte. Sie fesselte das Publikum mit ihrem ausdrucksstarken Schauspiel und der schönen Stimme, mit der sie die Lieder interpretierte, die Fabian Vogt für das Kammermusical geschrieben hat. Musikalisch und gesanglich begleitet wurde sie von Peter Krausch am Piano. "Es ist fast so, als ob dort Luther sitzen würde", meinte ein Gast in der Theaterpause. Doch Martin Luther selbst saß nur in Gedanken auf einem Stuhl Modell für Lucas Cranach, dem Wittenberger Künstler, bei dem Katharina von Bora als Haushaltshilfe nach der Flucht lebte. Eigentlich liebte sie einen Nürnberger Kaufmannssohn, der in Wittenberg studierte. Der Reformator schrieb auf Betreiben Katharinas einen Brief an dessen Eltern, in die Heirat einzuwilligen - was rundum abgelehnt wurde. Schließlich habe die Nonne die Ehe mit Christus gebrochen. Aus der Enge des Klosters ausgebrochen, in der sie seitdem sie fünf Jahre alt war lebte, erfährt sie nun die Ablehnung in der Stadt – und nähert sich dem Reformator an, den sie gleichermaßen umwirbt aber auch beschimpft als müde gewordenen „Revoluzzer“, der nur noch träge auf die Reformation zurückblickt. Und der überhaupt keine Anstalten macht, ihr einen Antrag zu machen – den übt schließlich Katharina auf der Bühne und nimmt damit das Heft in die Hand. Eindrucksvoll werden im Kammermusical die Zweifel Katharina von Boras an der Theologie der Reformation deutlich – ist sie wirklich von Gott allein aus Gnade geliebt und ist sie als freier Mensch geschaffen? Hat die Reformation nicht am Ende Krieg und Bauernaufstände gebracht? „Wenn Engel lachen“ bringt Geschichte nahe – mit frischen Texten, einem humorvollem Blick auf den Reformator Martin Luther und einer befreiten Frau, die ihr Leben selbst gestaltet. Mit viel Beifall verabschiedete das Publikum die Künstlerin und ihre Begleitung – ein gesungenes Segenslied von Katharinas Zeitgenossin, der Nonne Teresa von Avila, beendete das gut 90-minütige Programm.

Fotos und Text: Freitag

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Begleitet wird Miriam Küllmer-Vogt von Peter Krausch am Piano.
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Pastorin Christiane Elster begrüßte die Gäste und das Ensemble vom Theater Zauberwort in der Johanneskirche.
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Ein Abschlusslied in Empelde: ein Segenslied von Teresa von Avila.
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