Kirchenkreisempfang

Nachricht Ronnenberg, 31. Oktober 2016

Kirchenkreisemfang mit der Frage "Wieviel Religion verträgt die Gesellschaft?"

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Im Podium diskutierten (von links): Andrea Radtke, Martin Memming, Emine Oğuz, Wichard von Heyden, Hendrik Brandt und Silvia Bethe.

Der Kirchenkreisempfang am Vorabend des Reformationstages gehört mittlerweile zu den Traditionen im Kirchenkreis - mit der Veranstaltung am Sonntag, 30. Oktober, wurde gleichzeitig das Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation eingeläutet. Zum Auftakt hörten die vielen Gäste eine schwungvolle Bearbeitung für Orgel des  "Venetianischen Gondelliedes" von Felix Mendelssohn Bartholdy, die Kirchenkreiskantor Christian Windhorst vortrug.

Superintendentin Antje Marklein begrüßte die Gäste. Sie erläuterte den Teil "Reformation damals" der Reformationstür, den die Gäste beim Eintreten in die Kirche sehen konnten. Sie bezog sich auf Artikel 4 des Grundgesetzes in ihrer Eröffnung und legte ihn so aus, dass eine "Konzeption des guten Lebens" in unserer Gesellschaft Raum haben müsse.

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Superintendentin Antje Marklein begrüßte die Gäste in der vollbesetzten Michaeliskirche.

Pastor Dr. Wichard von Heyden und Superintendentin Antje Marklein eröffneten das Podiumsgespräch, indem sie die Gäste zu kurzen Statements zum Thema aufforderten. Pastor Dr. von Heyden moderierte das Gespräch.
In einem ersten Statement berichtete Silvia Bethe (Schulleiterin HAG Basche), dass sie in ihrer Schule und im Freundeskreis die Frage gestellt habe "Wieviel Religion verträgt die Schule?". Niemandem sei diese Frage egal. "Ich halte es für schädlich, Religion aus der Schule zu verbannen." In der Diskussion betonte sie, dass der Staat keinen religiösen Auftrag habe, wohl aber die Gesellschaft. Es müsse ein Ringen um Antworten zur Religion in der Öffentlichkeit stattfinden, damit das nicht in fundamentalistischen Ecken lande. Sie befürwortete einen gemeinsamen Religionsunterricht aller Religionen, mit dem Ziel, über die reine Information hinauszugehen und religiöse Praxis auch anzubieten.

Dr. Martin Memming (Ärztlicher Direktor des Robert-Koch-Krankenhauses Gehrden) begann mit der Geschichte des Krankenhauses als christlichem Siechenhaus, in der Trägerschaft der christlichen Kirchen. Heute sei der technische Bezug zu "Krankheit" dominant, verbunden mit dem Wunsch, im Leben wie im Sterben seine Autonomie zu wahren. Er betonte, dass gerade Sterbende im Krankenhaus oft einen Bezug zu Religion zeigten. Er sprach sich für Räume der Stille in Krankenhäusern aus. Er sagt "Wir brauchen nicht mehr oder weniger Religion im Krankenhaus. Wir müssen sie nur anders anbieten."
Hendrik Brandt (Cherfredakteur der HAZ) behauptete, dass Deutschland längst keine christliche Gesellschaft mehr sei. Er stellte aber fest, dass etwa Muslime, die ihren Glauben praktizieren, uns alle zu mehr christlicher Gemeinschaft herausfordern.
In ihrem Statement berichtete Emine Oğuz, Juristin und Geschäftsführerin des Landesverbandes der DITIB, dass Muslime in Deutschland seit 09/11 sich offener und transparenter zeigen müßten. Leider lösten ihre wortreichen wie ungenauen Äußerungen dieses Versprechen nicht ein. Sie wies auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes hin, das jedem Schüler das Recht zubilligt, in der Schule zu beten, wenn er damit den Ablauf des Schulalltags nicht stört.
Zuletzt wies Andrea Radtke, Juristin und Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, darauf hin, dass in Deutschland das Religionsverfassungsrecht die Freiheit und Aufgaben der Religionen regele. Sie fordert statt "Gebetsräumen" etwa in Schulen, "Räume der Stille" offen für alle Religionen einzurichten. Sie verwies darauf, dass Deutschland kein laizistischer Staat sei, sondern der Staat hier eine "wohlwollende Kooperation" mit den Religionen pflege. Andrea Radtke ist am Vertragastext eines Islamvertrages in Niedersachsen beteiligt.
Nach den Statements schloß sich eine lebhafte Diskussion auf dem Podium und in der voll besetzten Michaeliskirche an, die sich beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus fortsetzte.

Foto: Richter, Text: Pöhlmann

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Beim Gang in die Kirche konnte bereits die Reformationstür des Kirchenkreises betrachtet werden, Superintendentin Antje Marklein erläuterte in der Kirche den Teil "Reformation heute".

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Kirchenkreiskantor Christian Windhorst nahm zum Auftakt an der Orgel Platz.
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Zum Abschluß sang "Cantus Ronnenberg" die Motette Cantate Domino von Johann Crüger und Christian Windhorst an der Orgel das Andante C-Dur aus "Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn Bartholdy.