Ehrenamt
Barsinghausen, 28. Januar 2016

Nachricht

Protest

Viele hundert Menschen demonstrieren gegen Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim

"Unser Kreuz hat keine Haken" - Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinde zeigen Flagge und sind mit dabei bei der Demonstration.

Es war ein eindrucksvolles Bild: Rund 1500 Menschen - so die Polizeiangabe - zogen am frühen Mittwochabend, 27. Januar, vom Bahnhof in Barsinghausen über die Siegfried-Lehmann-Straße und die Hannoversche Straße zum Ort des Brandanschlag auf ein im Bau befindliches Flüchtlingsheim. Das Bündnis "Barsinghausen ist bunt" hatte zu der Demonstration aufgerufen und viele Initiativen, Vereine, Verbände und Kirchengemeinden unterstützen dies. Auch Gäste aus umliegenden Kommunen, Politiker, wie Bundestags- und Landtagsabgeordnete oder der Regionspräsident Hauke Jagau, kamen in die Deisterstadt, um sich solidarisch zu zeigen. Auf dem Parkplatz zwischen dem Abenteuerspielplatz Klein Basche und dem Neuen Friehof sprachen Bürgermeister Marc Lahmann, Superintendentin Antje Marklein und Ingo Arlt für das Bündnis Barsinghausen ist bunt zu den Versammelten. Die Demonstration sei ein "wichtiges Zeichen in Barsinghausen für unsere Grundwerte und gegen den feigen Brandanschlag auf das nebenstehende in Bau befindliche Flüchtlingswohnheim", sagte Marc Lahmann. Barsinghausen stehe schon seit Jahren und Jahrzehnten für einen "offenen, freundlichen und menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen, Asylbewerbern und Menschen aus anderen Ländern". Der Brandanschlag sei ein "feiges Verbrechen". Mit Blick auf den Holocaust-Gedenktag am gleichen Tag meinte er, dass die "Gräueltaten des Nazi-Regimes uns tägliche Mahnung sein sollten, sich für Grundwerte und Menschenrechte einzusetzen". Lahmann warf in seiner Rede einen differenzierten Blick auf die aktuelle Flüchtlingsdiskussion. So müssten auch Straftäter unter den Flüchtlingen verurteilt werden, gleichzeitig dürfe nicht von einzelnen Straftätern auf alle verallgemeinert werden. Dies liege im Interesse der vielen unbescholtenen Flüchtlinge. Lahmann appellierte an den Bund, der Prioritäten setzen müsse und zum Beispiel Asylanträge zügiger als bisher bearbeiten muss. Gleiches gelte für den Wohnungsbau oder für die Aufgaben im Jobcenter, um Integration zu fördern.

Superintendentin Antje Marklein spricht zu den versammelten Bürgerinnen und Bürgern.

Superintendentin Antje Marklein dankte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Demonstraion. "Rassendiskriminierung und Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Fremdenhass dürfen keinen Raum haben. Deshalb stehen wir heute hier. Durch den Brandanschlag auf den Rohbau des Flüchtlingsheimes ist eine Grenze überschritten worden. Hier hat jemand wortlos Gewalt ausgeübt. Jenseits von Dialog und Kommunikation, jenseits von Auseinandersetzung und Diskurs. Der oder die Täter haben in Kauf genommen, dass Menschen sich beim Löschen des Brandes  in Gefahr begeben", sagte sie. Aber der oder die Täter hätten nicht erreicht, dass sich die Willkomenskultur in Barsinghausen ändere. Die Demonstranten stünden für eine klare Botschaft des Willkommens.

Für das Bündnis Barsinghausen ist bunt sprach abschließend Ingo Arlt. Er lobte das freiwillige Engagement in Barsinghausen. Es sei in der Stadt gelungen, die Unterbringung von Flüchtlingen vor allem über Vermietungen zu regeln. Und um zum Beispiel Sporthallen nicht umwidmen zu müssen, sei nun ein Flüchtlingsheim geplant worden. Schließlich sollten "Sporthallen für Sport genutzt werden - dann kann vielleicht auch der Sport später für Integration genutzt werden", meinte er. Und: "Dieser Anschlag war damit auch ein Anschlag gegen ihre politischen Entscheidungen, ein Anschlag auf unsere kommunale Legislative und Exekutive - mithin auf unsere örtliche Demokratie!". Er kritisierte die verspäteten Entscheidungen im Bund. "Man hätte im Frühjahr letzten Jahres zügig die Ressourcen für die Kommunen erhöhen können - also sich mindestens Zeit zum Nachdenken und Aushandeln verschaffen können, aber im Innenministerium und vielen anderen Gegnern von sogenannter Einwanderung, war es ganz wichtig möglichst lange niedrige Zahlen auszuweisen. Dann gelang und gelingt es nicht - ausgerechnet in Deutschland - die Flüchtenden vernünftig und zügig zu erfassen. Auch dies liegt eindeutig im Zuständigkeitsbereich der Bundesregierung". Er plädierte für das Grundrecht auf Asyl, das, ebenso wie andere Grundrechte, nicht angetastet werden dürfe.
 

Fotos und Text: Freitag
 
Vor dem Bahnhof in Barsinghausen versammeln sich die ersten Demonstranten.
Brandanschlag
Auf den Rohbau einer künftigen Flüchtlingsunterkunft an der Hannoverschen Straße in Barsinghausen wurde ein Brandanschlag verübt.