Gedenken an die Reichspogromnacht

Nachricht Barsinghausen, 11. November 2018

Erinnerung an eine zerstörende Nacht

Das Gedenken und Erinnern in Barsinghausen bleibt auch 80 Jahre nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wach - auch dank der jährlichen Gedenkgottesdienste mit anschließender Kranzniederlegung. In diesem Jahr wechselte der Ort der Veranstaltung - von der St. Barbaragemeinde und dem Gedenken auf dem nahen jüdischen Friedhof hin in die Klosterkirche Barsinghausen. Der Grund für die einmalige Verlegung: an der Zufahrt von Volkers Hof in die Fußgängerzone Richtung Thie wurde eine Gedenktafel an die frühere Synagoge in der Marktstraße 21a enthüllt. Der frühere Stadtarchivar Eckard Steigerwald hatte die dort lesbaren Informationen zusammengetragen. In einem 1984 abgerissenen Fachwerkhaus feierte die 1843 gegründete jüdische Gemeinde Barsinghausens seit den 1920er Jahren ihre Gottesdienste - bis zur Verwüstung in der Reichspogromnacht.

Wach bleibt die Erinnerung in Barsinghausen auch dank der Jugendlichen, die sich jedes Jahr an der Gedenkfeier beteiligen, sagte Pastorin Uta Junginger in ihrer Begrüßung in der Klosterkirche. In diesem Jahr war der Kreis der Jugendlichen besonders groß, weil sich Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schulen der Deisterstadt beteiligten, außerdem noch eine Konfirmandengruppe. Unter anderem berichteten drei Schülerinnen über ihre Recherchen zur jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Barsinghausen. An die Schicksale verschiedener Mitbürger jüdischen Glaubens erinnerten weitere Jugendliche. Andere erzählten von einer Fahrt nach Bergen Belsen und der jüdischen Tradition, auf Gräber kleine Steine zu lesen. Bernd Steger, der Vorsitzende der Siegfried-Lehmann-Stiftung, verlas die Namen der jüdischen und weiterer Opfer im Nationalsozialismus, die in Barsinghausen lebten.

An die Tradition der kleinen Gedenksteine konnten auch die Gäste im Gottesdienst anknüpfen. Sie nahmen Steine mit aus der Kirche und legten sie an der Gedenktafel ab, die Bürgermeister Marc Lahmann nach seiner Rede und der Kranzniederlegung zusammen mit Jugendlichen enthüllte. In diesem Jahr nahmen gut 200 Gäste am Gedenken Anteil.

Fotos und Text: Freitag