Gottesdienste, Andachten, Hilfs- und Unterstützungsangebote uvm.

Kirchenkreis Ronnenberg, 12. April 2020

Gottesdienste, Andachten, Gebete und Fürbitten zum Lesen / Mitmachen

Diese bekannten Worte stammen aus einem Gedicht von  Friedrich Hölderlin, der heute (am 20. März 1770) vor 250 Jahren geboren wurde.
Die großen Gefahren durch die Coronapandemie sind fast allen Menschen bewusst. Es gibt aber auch die kleinen Gefahren, die Minidramen des Alltags. Eine ältere Frau erzählte mir, dass sie schon seit Tagen vergeblich versucht, Toilettenpapier zu kaufen. Den Hamsterkäufern ist es offenbar nicht  klar, dass ein Sich- Einwickeln in Toilettenpapier nicht vor Corona schützt.

Das Rettende wächst aber auch. Neben Egoismus ist eine große, kreative Welle der Hilfsbereitschaft in den Dörfern und Städten, bei den Kirchengemeinden zu beobachten.

Hölderlin beginnt sein Gedicht mit den zitierten Zeilen so:
„Nah ist und schwer zu fassen der Gott“. In existentiellen Krisen erleben manche Menschen einen unfassbaren, abwesenden Gott.  Andere spüren gerade da die Nähe Gottes. Gott ist nah. Er ist da.
Er ist auch und gerade da in helfenden Händen, im unsichtbaren, aber verbindenden, erlebbaren Glaubensraum von Gebeten und entzündeten Kerzen.

„Patmos“ hat Hölderlin sein Gedicht überschrieben. Auf der Insel Patmos befand sich nach der christlichen Überlieferung Johannes, der Verfasser der gleichnamigen Offenbarung. Johannes ist zu der Zeit einsam, getrennt von seiner Gemeinde, von den Behörden gewissermaßen in Ausgangsperre versetzt. In dieser Anfechtung hat er eine großartige Vision. Christus offenbart sich ihm. Er sagt: „Fürchte dich nicht … Ich war tot, und siehe, lebendig bin ich in alle Ewigkeiten, und ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“

Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.
Übrigens:  Die ältere Frau hat jetzt Küchenpapier bekommen. Extra soft.

Jürgen Holly

Ungewissheit und Angst erfüllen in diesen Tagen unsere Gedanken.
Wir sind in Sorge.
Wir sorgen uns um unsere Lieben.
Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
Wir sorgen uns um das Zusammenleben in unserem Land.
Wir schauen auf das, was kommen wird.
Wir sind hilflos.
Der Corona-Virus bedroht die Schwachen.
Wir vertrauen die Kranken deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.

Wir bitten für die Sterbenden –
behüte sie und erbarme dich.
Wir bitten für die Jungen –
behüte sie und erbarme dich.
Wir danken dir für alle, 
die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten.
Wir danken dir für alle,
die Kranke pflegen,
Eingeschlossene versorgen 
und sich um das Wohl aller mühen.
Behüte und leite sie.
Du bist unsere Hilfe und Stärke.
Behüte uns, bewahre uns und
erbarme dich.

Amen.

 

Gebet während einer Pandemie

Mögen die, deren Alltag nun Einschränkungen unterliegt,
sich an die erinnern, deren Leben bedroht ist.

Mögen die, die zu keiner Risikogruppe gehören,
sich an die erinnern, die am stärksten verwundbar sind.

Mögen die, die den Vorteil von Homeoffice haben,
sich an die erinnern, die sich Kranksein nicht leisten können und zur Arbeit müssen, um ihre Miete zu bezahlen.

Mögen die, die eine flexible Kinderbetreuung haben, wenn Schulen und Kitas geschlossen sind,
sich an die erinnern, die diese Möglichkeit nicht haben.

Mögen die, die Reisen absagen müssen,
sich an die erinnern, die keinen sicheren Zufluchtsort haben,

Mögen die, die etwas zurückgelegtes Geld in den Turbulenzen des Börsenmarktes verlieren,
sich an die erinneren, die gar keine Rücklagen haben.

Mögen die, die zu Hause in Quarantäne bleiben müssen,
sich an die erinnern, die kein Zuhause haben.

Während Furcht sich unseres Landes bemächtigt,
lass uns auf Liebe setzen.
Wenn wir uns körperlich nicht in den Arm nehmen können,
lass uns andere Wege finden, wie wir an unsere Nächsten weitergeben, dass Gott uns umarmt.
Amen.

Dieses Gebet von Cameron Wiggins Bellm wurde in der Facebook-Gruppe Holy Pandemic! Encouragement & Memes von Heidi Campbell‎ veröffentlicht und von Ralf Peter Reimann ins Deutsche übersetzt / übertragen.

Gott, du verbindest uns Menschen.
In Angst und Unsicherheit werden wir uns nah.
Plötzlich sind wir Nächste, die wir es gestern noch nicht waren.
Wir teilen Fragen und Sorgen,
Nicht-Wissen und doch Ahnen, was da kommen kann.
Die einen mögen bewahrt bleiben.
Andere werden um ihr Leben kämpfen.
Gelassen und voller Sorgen könnte unser Alltag werden.
In den kommenden Wochen und heute schon
bitten wir für alle Kranken und die es werden,
die Angst haben, dass der Virus sie erreicht,
für alle Ärztinnen und Pflegenden,
für die, die in diesen Tagen um ihre Existenz bangen.
Wir bitten dich, dass Du uns alle bewahrst in diesen schweren Zeiten,
sei Du der, der uns eint,
als die die glauben und auch die es nicht tun.
Wir Menschen sind verbundene,
aufeinander angewiesene,
miteinander helfende.
Du verbindest uns Menschen, Gott.
Amen.

Gott, wir haben Angst vor dem, was wir nicht kennen.
Zugleich sind wir uns darin nah und vertraut.
Was unsere Gemeinschaft gefährdet, macht uns auch stark.
Wir halten zusammen, wenn wir uns oft auch fremd sind.
Wir achten aufeinander. Entscheiden, was wirklich wichtig ist.
Wir öffnen Herzen, während andere noch hinter Türen warten müssen.
Wir werden uns nah, auch ohne uns die Hände zu reichen.
Wir können lachen und doch trauern um die Kranken und Sterbenden.
Wir sind eins im Handeln und im Sorgen und zum Wohl für uns alle.
So ist im Schlimmen auch Dein Segen.
Hab Du Dank dafür, Gott.
Amen.

 

Gott.

Wir sind verbunden.

Als Menschen mit Menschen.

Als Glaubende miteinander.

Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen.

Heute.

Stille

Wir denken an alle, die wir lieben.

Was tun sie gerade.

Stille.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Stille.

Wir denken an alle Kranken.

Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

Stille.

Wir denken an alle, die helfen.

Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Stille.

 

Gott.

Wir sind Deine Menschen.

Wir sind miteinander verbunden.

Atmen die Luft Deiner Schöpfung.

Beten zu Dir in allem, was ist.

Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater Unser

Gemeinsam unterwegs in besonderen Zeiten

Wo zwei oder drei versammelt sind, da ist Jesus mitten unter uns. Gott sei Dank! Das heißt: Auch, wenn derzeit keine regulären Gottesdienste stattfinden, wird überall auf der Welt weiter gebetet, gesungen, hört Gott zu und ist nah.

Jeden Abend um 18 Uhr und jeden Sonntag um 10 Uhr, wenn die Glocken läuten, schicken wir ein gemeinsames Gebet gen Himmel. Wir sind miteinander verbunden: Am Küchentisch, auf der Couch oder sonst wo. Wer mag, nimmt sich diesen Ablauf zur Hand.

Die Glocken läuten

Eine Kerze anzünden

Einstimmung (laut lesen oder eine*r liest vor)

„Die Glocken läuten und rufen zum Gebet.

Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.

Mehr geht nicht. Mehr muss nicht.

Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

Beten (zum Beispiel)

Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: Ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Ich bin hier. Und Du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was mich gerade bewegt. Stille Höre auf unser Gebet. Amen.

Bibeltext (vor)lesen

  • Im Sterben das Leben. Manche Leute verbreiten Freude, obwohl sie wirklich nichts zu lachen haben. Lies dazu:

 Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 20-26

  • Gehorsam bis zum Tod. „Wer nicht hören will, muss fühlen.“

1. Buch Mose, Kapitel 22, Verse 1-19

  • Grenzmomente. Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt.

Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 12-19

Ein letztes Ma(h)l. In der Nacht, da er verraten ward…

1. Korintherbrief, Kapitel 11, Verse 17-34

  • Oh Haupt voll Blut und Wunden.

Psalm 22 / Johannesevangelium, Kapitel 19, Verse 16-30

  • R.I.P. (Ruhe in Frieden)

Jona, Kapitel 2, Verse 1-11

  • Aus dem Dunkel ins Licht: Jetzt ist Osten!

Matthäusevangelium, Kapitel 28, Verse 1-10

  • Stärker als der Tod. Jesus lebt!

Markusevangelium, Kapitel 16, Verse 1-8

  • Augen auf! Manchmal sehen wir das Offensichtliche nicht.

Lukasevangelium Kapitel 24, Verse 13-35

  • Wo ist der Beweis? „Ich glaube nur, was ich sehe.“

Johannesevangelium, Kapitel 20, Verse 19-29

(Lieblings)Lied  hören oder singen (Evangelisches Gesangbuch, freiTöne, youtube, CD, spotify)

Impuls zum Bibeltext

  1. Was ist Dir beim Lesen/Zuhören wichtig geworden? Was hat Dein Herz bewegt?
  2. Wie wäre die Geschichte ausgegangen ohne Gott?
  3. Was hat Dich irritiert?
  4. An welches Erlebnis aus Deinem Leben erinnert Dich die Geschichte?
  5. Wie würdest Du den Text in Umgangssprache übersetzen?
  6. Schreibe einen Brief an einen Freund aus der Sicht einer Person, die im Text vorkommt.
  7. Erzähle/Überlege, was Du vor dem inneren Auge gesehen hast, als Du den Text gehört/gelesen hast.
  8. 5-Finger-Methode: Sprich/Denk nach über den Text indem Du die fünf Finger Deiner Hand zur Hilfe nimmst. Jeder Finger steht dabei für eine Frage:

1. Daumen: Was gefällt Dir am Text?

2. Zeigefinger: Worauf macht Dich der Text aufmerksam?

3. Mittelfinger: Was stinkt Dir an dem Text?

4. Ringfinder: Wo steckt in dem Text eine Zusage/Versprechen Gottes?

5. Kleiner Finger: Was kommt Dir in diesem Text zu kurz?

Fürbitten

Gott.

Wir bringen Dir unsere Gedanken, unseren Dank und unsere Sorgen.

Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Was tun sie wohl gerade?

Stille

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Stille.

Wir denken an alle Kranken und an die in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

Stille.

Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich ein für uns mit ihren Gaben.

Stille.

Wir beten zu Dir mit den Worten, die uns auf der ganzen Welt miteinander verbinden:

Vater Unser im Himmel,

geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

Segen

Hände öffnen und laut sprechen:

Gott, segne uns und behüte uns.

Gott, lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott, erhebe Dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.

Oder

Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Spüren, dass Gott da ist. Spüren, dass andere da sind. Verbunden. Miteinander. Mit Gott. Im Glauben. Einatmen. Ausatmen. Und leise sprechen „Gott spricht: Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt“ (oder ein anderes Segenswort oder ein anderes Wort, das gerade Kraft gibt). Stille. Einatmen. Ausatmen. Fenster schließen.

Kerze auspusten

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit  (2. Timotheusbrief 1,7).

Genau, das ist es: Nicht den Geist der Furcht!

Naja, vielleicht sagt sich das allzu leicht, wenn  der Frühling beginnt, wenn in den vergangenen sonnigen Tagen sich Menschen, die plötzlich Zeit haben, draussen treffen, am Maschsee flanieren oder im Eiscafé sitzen. Unwirklich der Gedanke, dass das die Krise sein soll, von der die Bundes­kanzlerin in ihrer Ansprache an die Bürgerinnen und  Bürger sagte, dass es wohl die größte Heraus­forderung seit dem 2. Weltkrieg sei. Unwirklich, dass Gefahr und Tod uns so nah sein können, wo sich doch die meisten gesund und munter durch die Strassen bewegen.

Aber dann holt uns die Realität schnell ein, wenn wir sehen, wie in den Supermärkten, die uns jahrzehntelang zuverlässig mit Waren belieferten, plötzlich leere Regale gähnen und wie voll es in den Gängen war – bis die Märkte anfingen, den Strom der Eintretenden zu regulieren.

Menschen hamstern Sachen. Toilettenpapier, Nudeln, neuerdings auch Waschmittel, Seifen…

Der Geist der Furcht. Da hilft es leider kaum, dass uns immer wieder versichert wird: Es wird keine Engpässe geben, die Versorgung ist gesichert. Der Geist der Furcht lässt das Befürchtete schon Realität sein.

Anderswo wächst diese Furcht auf ganz realem Grund: Unternehmen müssen in Kurzarbeit treten, weil Materialien nicht mehr zugeliefert werden, Gastwirten fehlen die Kunden, Betriebe sind nicht mehr zahlungsfähig…

Hat der Geist der Furcht nicht doch Recht?

Es gibt Grund, sich Sorgen zu machen. Große Sorgen. Wegen fehlender materieller Sicherheiten, wegen der Gefahr, plötzlich ohne alles dazustehen. Und Sorgen machen wir uns jetzt auch wegen der Sache selbst: eine grippeähnliche Erkrankung, deren Symptome sich bei manchen Menschen viel deutlicher ausbilden, als wir es von der jährlichen Grippewelle her kennen und die vermutlich zu mehr schweren Verläufen, sogar zu Todesfällen führen kann, wenn jemand ihr keine Wider­standskräfte mehr entgegenzusetzen vermag.

Der Geist der Furcht ist ein Teil dieser Welt, in der globale Lieferketten zusammenbrechen, soziale und wirtschaftliche Sicherheiten sich auflösen und auf einmal fraglich wird, was lange selbstverständlich war. Es ist menschlich, sich zu fürchten. Und wir fühlen uns, wenn wir nicht ge­rade mit einem Menschen darüber offen sprechen können, manchmal ganz schön einsam da­mit.

Das ist nicht gut, besonders für die allein Lebenden ist es nicht gut und auch nicht für die Kinder, die anfangen, sich um uns Erwachsene zu sorgen. Dabei sollte es doch umgekehrt sein.

In vielen Familien, Freundes- und Bekanntenkreisen wächst das Bedürfnis, sich auszutauschen. Wer ein Handy bei sich hat, kommt davon oft kaum los. In Chatgruppen, Telefonaten oder per E-Mail versichern wir uns gegenseitig, dass es uns (noch) gut geht, dass wir aneinander denken, dass wir einander wichtig sind. Der Geist der Gemeinschaft oder zumindest des Gemeinsinns - in einer Zeit, in der wir nicht oder nur mit großer Vorsicht einander nah sein können.

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“: Furcht und Angst spielen eine Rolle in den Worten der Bibel. Und: sie werden nicht heruntergespielt. Aber die Bibel weiß davon zu erzählen, dass es etwas gibt, was sich dieser Furcht entgegenstellen kann. Der Geist  der Gemeinschaft ist so einer. Mit dem Geist der Liebe übrigens sehr eng verwandt. Und der Geist der Kraft, der weiß sehr wohl, dass es Zeiten gibt, die uns alles abverlangen, Aufgaben, die richtig schlauchen. Wir geraten an die Grenzen unserer Kräfte. Wir möchten aufgeben oder fliehen. Oder wir entscheiden uns, der Herausforderung zu begegnen, die Situation zu gestalten. Das Seltsame ist: Wir erfahren erst dann, dass sich andere, neue Kraftquellen auftun.

In meiner Gemeinde hat ein Kirchenvorsteher eine Corona-Hilfsgruppe organisiert. Sie soll Menschen, die Hilfe brauchen, auf praktische Weise unterstützen. Und sie hilft uns ein Stück weit aus unserer eigenen Hilflosig­keit heraus. Die Situation, die sich uns stellt, ist die eine Sache. Die andere ist, wie wir uns dazu verhalten. Der Geist der Besonnenheit weitet dazu den Blick, hilft, Handlungsoptionen auszuloten. Und ich bin ziemlich sicher: wenn wir uns auf den Weg machen, wenn wir uns in einer Krise mehr als bisher aufeinander zubewegen, dann wird jeder von uns erfahren können: Ich bin nicht allein mit meinen Sorgen. Auch deswegen nicht, weil da einer ist, der etwas von seinem Geist in mein Le­ben, Denken, Fühlen hineinfließen lässt. Mitten in all diesem menschlichen Tun. „Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen…“ hatte Hanns Dieter Hüsch einst in seinem „Psalm“ formuliert – und schrieb darin von einem Geist, der die Angst vertreibt, der befreit und der sogar den Gedanken an den Tod aushält.

Ob wir das dann auch schaffen, wenn es tatsächlich einmal sein muss? Wo immer die Bibel von dem Geist spricht, an dem Gott uns teilhaben lässt, da meint sie ja auch: Gott ist einer, der die Menschen nicht sich selbst und ihren Fähigkeiten überlässt. Wir sind den Herausforderungen, die uns begegnen, nie  hilflos ausgeliefert. Ich glaube, da, wo wir Schritte wagen, bekommen wir auch die Kraft, Schritte zu tun. Da, wo wir uns aufeinander zubewegen, bekommen wir vom anderen auch Rückmel­dung. Da, wo wir uns auf Gott zubewegen und nach seiner Kraft suchen, bekommen wir seine Rückenstärkung. Sehr wahrscheinlich nicht auf übernatürliche, fabelhafte Weise. Aber so, dass ein Geist in unseren Sinn kommt, ein Gedanke  uns beflügelt, ein Wort eines anderen uns gut tut. Sehr wahrscheinlich auf sehr menschliche Weise. Eben so, wie wir diesen Gott seit biblischen Zeiten im­mer schon kennenlernen durften: mit menschlichem Antlitz.

Elke Pankratz-Lehnhoff, Pastorin in den Bördedörfern

Bibeltext

Eine*r: Für den Sonntag Judika steht der Predigttext im Hebräerbrief, dem letzten Buch der Bibel, im 13. Kapitel:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Impuls

Eine*r: Komisch, in diesen Zeiten hat man einen ganz neuen Blick auf die alten Texte. Auch auf diesen, der so ein richtiger Passionszeittext ist:

Wir hören von Jesu Blut und von seinem Leid – genau darum geht es ja in der Passionszeit, die auf Karfreitag und den Kreuzestod zuläuft.

Heute höre ich aber vor allem „draußen vor dem Tor“. Vielleicht, weil ich nicht mehr rausgehen soll, keiner von uns soll draußen vor dem Tor sein oder nur dann, wenn es wirklich nötig ist.

Dabei sind auch dieser Tage so viele Menschen draußen vor den Toren und die meisten von ihnen leiden. Denn draußen vor dem Tor da gibt es kaum Wasser, keine Seife und soziale Distanz ist schier unmöglich, so dicht gedrängt stehen die Zelte derer, die draußen vor dem Tor ausharren. Keiner weiß, was passiert, wenn draußen vor den Toren das Virus um sich greift.

Draußen vor den Toren: Jene Deutschen, die sich noch draußen befinden, die holen wir zurück. Zehntausende Urlauber kommen Tag für Tag eingeflogen. Für jene, die draußen vor den Toren keine deutschen Pässe haben, scheint es unmöglich.

Draußen vor dem Tor… da sollen auch wir hin. Wir sollen unser Lager verlassen und Jesu Schmach tragen. Nur: Wie schon gesagt, wortwörtlich dürfen wir das grad nicht. Vielleicht ist das mit das Schwierigste in diesen Tagen: Ertragen, dass ich nichts tun kann, nur aushalten und Geduld haben (mit mir und mit denen, die mich umgeben).

Die meisten von uns können im Moment wenig tun, weder drinnen noch draußen vor dem Tor. Wir können nur dankbar sein, dass es weiterhin jene gibt, die sich für die „draußen vor dem Tor“ einsetzen, für die Obdachlosen bei uns und für die Flüchtlinge an den Grenzen.

Wir haben hier keine bleibende Stadt. Das merken wir grad. Wenig ist so sicher und verlässlich, wie wir das noch bis vor ein paar Tagen dachten. Wir merken, dass wir weniger kontrollieren können und dass ein Virus von heut auf morgen unser Leben in Stadt und Land grundlegend verändern kann.

Wir haben hier keine bleibende Stadt – aber die zukünftige suchen wir! Noch ist offen, wie und wann unser Alltag in der Zukunft wiederbeginnt. Gedanken machen darüber, wie er dann aussehen könnte, das allerdings können wir schon heute.

Amen.

Und der Friede Gottes, der sich nicht von Grenzen, Toren und Türen aufhalten lässt, er erfülle unsere Herzen und Sinne durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

Wir sind nicht allein – wir feiern Gottesdienst zu Hause und doch im Glauben verbunden
Die Glocken läuten – wir zünden eine Kerze an und halten inne
Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Gebet
Ich bin hier vor dir, Gott.
Allein – und doch sind wir versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben.
So feiern wir in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen
Lied EG 361,1 (lesen oder singen) Befiehl du deine Wege und was das Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
Psalm 139 in Auswahl
HERR, du erforschest mich und kennest mich.
2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.
4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest.
5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.
6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. 8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
17 Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß!
18 Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir. Amen (Luther 2017)
Stille…
Evtl. Andacht (letzte Seite)
Lied: EG 361,2 Dem Herren musst du trauen, wenn dir´s soll wohl ergehn, auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.
Fürbitten
Gott.
Wir sind verbunden.
Als Menschen mit Menschen.
Als Glaubende miteinander.
Als Glaubende und Menschen mit Dir.
Wir bringen Dir unsere Gedanken, unseren Dank und unsere Sorgen.
Stille
Wir denken an alle, die wir lieben.
Was tun sie gerade..
Stille.
Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.
Wir denken an alle Kranken und Schwachen, die keinen Besuch haben können.
Stille.
Wir denken an alle, die helfen, Mediziner, Pflegende, Rettungskräfte...
Sie setzen sich, ihre Kraft und ihre Gaben füreinander ein.
Wir denken an alle, die Verantwortung tragen in Politik und Wirtschaft, für das Wohl und die Gesundheit für alle.
Sei bei ihnen mit deiner Geistkraft.
Stille.
Gott.
Wir gehören zu dir und wir sind miteinander verbunden.
Wir leben in einer wunderbaren Welt, die du uns geschenkt hast.
Und doch gibt es schlimme Zeiten.
Bei allem, was uns zurzeit bedrückt und belastet: schenke uns deine Geistkraft, die uns beisteht, wo immer wir sind, was immer auch geschieht.
So beten wir zu dir mit den Worten, die Jesus uns gelehrt hat:
Vaterunser
Vaterunser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit
In Ewigkeit.
Amen
Lied EG 361,6 Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud. (Liedtext: Paul Gerhard, 1653)
Segen
Gott segne uns und behüte uns.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden.
Amen
Stille…
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(nach einem Entwurf „Gottesdienst zeitgleich“ – Michaeliskloster Hildesheim)

Andacht
Ein winziges Teilchen bringt die ganze Welt aus den Fugen. Das unsichtbare Teilchen heißt „Coronavirus“ und führt zu einer weltweiten, schweren Notlage. Das kann man nicht anders sagen. Alle Ausmaße können wir heute noch längst nicht richtig einschätzen.
Bis vor wenigen Wochen war es unvorstellbar, dass ganze Regionen, Städte und Länder geschlossen werden, dass kein Sport mehr stattfindet und Kindergärten, Schulen, Universitäten, Kirchen und Lokale schließen müssen. Arbeitsaufträge gehen zurück; Bestellungen werden nicht ausgeliefert oder nicht mehr angefertigt; viele Betriebe sind schon geschlossen. Die Frage nach einem Sommerurlaub wird sich für viele in diesen Wochen womöglich auch erledigen.
Alles zusammengenommen kommt es zu hohen wirtschaftlichen Schäden; von den Ängsten der Menschenseelen ganz zu schweigen. Es ist eine Heimsuchung; und zwar eine für die ganze Welt.
Jetzt spüren wir, wie sehr wir zusammengehören, wie sehr wir miteinander verwoben sind – und zwar alle: China und Italien, Deutschland und der Iran, Australien und Frankreich. Wir sind tatsächlich eine Welt. Kein Land alleine kann „sein Ding“ machen, wie man so sagt. Wir sind alle so vielfach verbunden, wie es manchen zwar schon immer klar war, wie wir es aber so wohl noch nie zuvor zu spüren bekommen haben.
Beinahe stündlich hören wir neue Nachrichten von der Anfälligkeit der Welt. Jeden Tag sagen uns Ärzte und Politikerinnen, wie wir uns zu verhalten haben, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.
Das macht einerseits vielen Menschen große Sorgen, jeden Tag neu oder wieder. Andererseits kann es aber auch ein klein wenig Hoffnung machen, wenn man dies Wort überhaupt benutzen darf. Selbstverständlich dürfen wir nichts schön reden. Aber ein winziger Hoffnungsschimmer ist doch zu erkennen.
Würden alle Länder gemeinsam immer so denken und handeln, könnten wir vieles schaffen. Wir müssen keine Feinde sein, wir könnten gemeinsam kämpfen: gegen den Hunger in der Welt, gegen die weltweite Klimaerwärmung und für die vielen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben und fliehen müssen. Wenn Länder und ihre Regierungen immer an das Wohl aller denken würden und nicht nur an sich selbst, könnten wir die größten Fragen lösen. Und zwar zügig.
Das ist mein Hoffnungsschimmer. Einzelne können zwar nur wenig dafür tun. Aber eins können wir tun. Wir können Gott jeden Tag und bei allen unseren Zusammenkünften, die noch sein dürfen, immer wieder für alle Verantwortlichen auf der Welt bitten (Psalm 43,3):
Sende dein Licht und Deine Wahrheit, dass sie uns leiten.
(nach M.Becker)

Wo sonst ein Schild die Menschen in die "Offene Kirche" einlädt, hängen,

solange die Kirchen geschlossen sind, kleine Tüten mit einer "Andacht-to-go".

Die immer wieder neuen Impulse zu Bildern und Symbolen laden ein zu paar Minuten Ruhe und Nachdenken im Alltag.

Wer Interesse, aber keine Möglichkeit hat, zur Kirche zu kommen, kann dem Pfarrbüro seine Adresse mitteilen, dann wird ihm die Andacht in den Briefkasten geworfen.