Umgang mit dem Corona-Virus

Nachricht Bördedörfer, 31. März 2020

Liebe Freunde und Freundinnen der Kirchengemeinde Bördedörfer,

mit der Alexandri- und der Thomaskirche haben wir zwei wunderschöne steinerne Zeugen des Glaubens in unseren Dörfern stehen.

Manchmal schaue ich sie an und denke: wieviele Krisen haben diese beiden Kirchen schon erlebt!

Gebaut wurden sie bereits irgendwann am Anfang des letzten Jahrtausends! Wann genau, das weiß man nicht, es ist nur die Bauweise, die etwas verrät von den Ursprüngen in der Romanik.

Vieles haben diese Kirchen miterlebt: wachsende Dörfer, verwüstete Dörfer, verheerende Kriege, Zerstörung ihrer Mauern, auch die Wellen der Pest und anderer Seuchen im Dreißigjährigen Krieg, Wiederaufbau innerhalb weniger Jahre, neue Kriege, Flüchtlingsströme, leere und volle Kirchenräume, Hungernde und Satte, Hochzeiten und Trauerfeiern, Loblieder und Angstgebete...

Wenn diese Steine erzählen könnten: sie hätten eine Menge zu sagen!

Wenn sie es könnten, würden sie dann nicht auch sagen: Hier sind wir und bezeugen: Es gibt etwas, das Menschen trägt und hält - auch in den Krisen. Hört nicht auf, auf Gott zu hoffen!

Alte Kirchen baute man früher an zentralen Plätzen eines Ortes. Eigentlich ist auch das eine Aussage: Gott gehört mitten hinein ins Leben. Nicht nur in die leichten, frohen, auch in die dunklen Tage. Wir können ihm unsere inneren Räume öffnen: Jeder Moment, wo wir an ihn denken, ist solch ein Raum. Jeder Augenblick, an dem wir freundlich an einen Menschen denken oder für ihn sorgen. Jede Minute, in der wir innehalten zu einem Lied, einem Gebet oder auch nur einem Stoßseufzer. Jeder Moment, in dem wir stille sind und dem Leben nachspüren.

Die steinernen Zeugen in unseren Dörfern sind Glaubenszeugen. Sie erzählen von vergangenen glücklichen und traurigen Tagen der Menschen, die sie aufgesucht haben und in ihnen Heimat und Halt fanden. Und sie bedeuten uns: Da sind nicht nur wir. Da sind die, die vor uns waren und die nach uns sein werden. Da ist nicht nur unser jetziges Leben, sondern da ist der, da ist die, aus deren Händen alles Lebendige kommt und bewahrt bleibt. "Ich will heben und tragen und erretten", spricht sie uns zu.

Unsere steinernen Zeugen: Denen, die diese Kirchen regelmäßig aufgesucht haben, wird es wehtun, sie in diesen Wochen nicht besuchen zu dürfen. Wir werden sie auch nicht mehr sonntags öffnen können, damit einzelne eintreten und dort beten können. Wir können sie nur von aussen betrachten, können an ihren Mauern entlangstreifen, ihre alten Fenster oder ihre in der Sonne glänzenden Turmspitzen betrachten. Und wir können daran denken, dass sie für etwas stehen, das "mehr ist als wir, mehr als jetzt und mehr als hier" (H.R. Kunze in einem Lied).

Gott behüte Sie und Euch!

Elke Pankratz-Lehnhoff

Kontakte

Pastorin Elke Pankratz-Lehnhoff
Tel.: 05105 63808

Pfarrbüro:

Martina Kehl
Tel.: 05105 2671