Mittwoch, 3. Juni

Die Geschichte vom Fest der Farben

Wenn ich in diesen Tagen durch den Garten, über die Terrasse, auf den Balkon gehe, bin ich schier überwältigt von der Farbenpracht, die man dort findet. Rotweiße Petunien, blaue Kornblumen, gelbe Stiefmütterchen – orange Tagetes, violettes Allium und Blätter in allen Grünschattierungen leuchten mir entgegen.

Dazu fällt mir eine besondere Geschichte ein. Und die möchte ich heute erzählen:

Vor einer Ewigkeit und drei Tagen gab es auf der Welt drei Farben: das glühende Rot, das tiefe Blau und das leuchtende Gelb. „Ich bin die Glut des Feuers, der Sonnenaufgang und der Sonnenuntergang“, sagte das glühende Rot. „Das Herz und die Liebe tragen meine Farbe. Ich spende Leben und Wärme.“   

„Ich bin der Himmel und das Meer“, sagte das tiefe Blau, „die Ewigkeit und die Unendlichkeit. Ich bringe Harmonie und Frieden.“

„Ich bin die Sonne, der Mond und die Sterne“, rief das leuchtende Gelb, denn es wollte den anderen beiden in nichts nachstehen. „Der Sommer trägt mein gelbes Kleid. Wo ich bin, herrschen Zuversicht und Heiterkeit.“  

Eines Tages gaben die Drei ein großes Fest. Sie luden dazu das strahlende Weiß der Milchstraße und das unergründliche Schwarz  des Universums ein. Jede Farbe trug zum Fest ihr schönstes Gewand. Im Himmel spielten Geigen zum Tanz.

Je später der Abend wurde, desto mehr winzige Milchtröpfchen verlor das Kleid der Milchstraße. Bald war der Tanzboden bedeckt mit kleinen, weißen Milchpfützen.

Doch in ihrer guten Stimmung bemerkten es die Farben nicht. Fröhlich reichten sie einander die Hände und wirbelten zum Takt der Musik durch den Weltenraum. Das strahlende Weiß tanzte mit dem glühenden Rot. Das tiefe Blau mit dem leuchtenden Gelb. Ihre rauschenden Kleider berührten einander, wischten über Tropfen und Pfützen hinweg.

„Oh, seht nur!“, rief plötzlich das unergründliche Schwarz. „Dort! Ein helles Rot! Und hier eine Farbe, deren Namen ich nicht kenne!“

Erst jetzt bemerkten auch die anderen Farben die bunten Tupfer am Boden. „Wer hat sie hier hereingebracht?“ „Wie mögen sie wohl heißen?“, fragten alle durcheinander. „Grün!“ Das glühende Rot zeigte auf die Stelle, wo sich etwas Blau mit Gelb vermischt hatte. „Diese Farbe nennen wir sattes Grün!“

Kaum hatte das glühende Rot den Satz ausgesprochen, erhob sich das Grün vom Boden und sprach: „Ich bin der Wald, die Wiesen und Felder. Wo ich bin, herrschen Glück und Zufriedenheit.“

Da begannen auch die übrigen Farben neue Namen zu erfinden. Sie schufen das Orange, das Himmelblau und das Violett.

Dabei hüpften sie vor Freude umher. Und jedes Mal, wenn sie einander berührten, entstand eine neue Farbe. Der Weltenraum war erfüllt von unzähligen Farbtönen. Wie Noten in einem Lied bildeten sie einen Regenbogen, der von der Erde bis in den Himmel reichte.

Nur das unergründliche Schwarz hielt sich vornehm zurück, wusste es doch, dass es all die anderen Farben überdecken würde.

Farben begleiten uns durchs  Leben. Im Kalenderjahr und im Kirchenjahr. Wir können sie genießen, uns an ihnen erfreuen. Sie machen das Leben bunt und schön. Besonders in dieser Zeit, die so ungewohnt, seltsam, so ganz anders ist, als wir alle es kennen, sind sie mein tägliches persönliches Highlight.

Claudia Gries

Quelle: Kidsweb/farbenspezial