Samstag, 13. Juni

Anfassen verboten!

Die Ausstellungsstücke nicht berühren!

Halten Sie Abstand!

Schilder, beispielsweise in Museen machen immer wieder darauf aufmerksam. Meist werden die Ausstellungsstücke noch mit einem Absperrband oder durch eine Glasscheibe vor Zugriffen bewahrt. Im PS-Speicher, einem Fahrzeugmuseum in Einbeck, macht eine Lautsprecherdurchsage die Besucher darauf aufmerksam, sollten sie den historischen Gefährten zu nahe kommen.

Dies dient selbstverständlich zum Schutz der ausgestellten Stücke. Meist einzigartige Kostbarkeiten, die durch unsachgemäße Behandlung unwiderruflich zerstört werden könnten.

Doch nun hallt es durch die Nachrichten: Halten Sie Abstand! Gemeint sind hier allerdings Menschen. Mindestens 1,5 m Abstand zu Menschen, die nicht aus dem gleichen Haushalt kommen. Nicht berühren. Klebeband auf dem Boden und Absperrbänder vor Tresen geben an, wie weit man sich nähern darf. Verkäufer*innen hinter Plexiglasscheiben. Menschen, geschützt wie Ausstellungsstücke im Museum.

Geschützt, wie einzigartige Kostbarkeiten.

Und das sind wir. Einzigartige Kostbarkeiten. Jeder einzelne von uns. Niemand von uns ist ersetzbar, denn jeder hat seine eigenen Ecken und Kanten, seine Macken, im positiven wie im negativen Sinne, die uns einzigartig machen. Und so sehr wir uns manchmal über die kleinen und größeren Macken unserer Freunde und Verwandten aufregen, so sehr vermissen wir doch auch genau diese Eigenschaften, wenn wir länger von den Menschen getrennt sind.

Die fremde Frau, die da hinter der Plexiglasscheibe unsere Einkäufe über den Scanner zieht, der fremde Mann, der hinter dem Absperrband den Bus steuert… Sie alle sind für jemanden eine einzigartige Kostbarkeit, die geschützt werden muss.

Und für Gott sind wir alle Kostbarkeiten. Von ihm geschaffen und geliebt.

Und er braucht keinen Abstand zu halten. Er ist ganz nah bei uns, reicht uns die Hand und überbrückt den Abstand zwischen uns Menschen, damit wir uns auch über 1,5 m, Absperrband und Plexiglasscheibe hinweg nahe sein können.

Der Beitrag zum heutigen Tag ist eine Andacht von Janina Gorski  Kircheninspektoranwärterin der ev.-luth. Landeskirche Hannovers.