Petrus vs. Corona

Nicht alles ist abgesagt...

Die Sonne ist nicht abgesagt und auch der Frühling nicht. Beziehungen sind nicht abgesagt! Und auch die Liebe nicht. Lesen ist nicht abgesagt, Beten ist nicht abgesagt. Singen und Musizieren sind nicht abgesagt, Phantasieren ist auch nicht abgesagt. Freundlichkeit und Gespräche sind nicht abgesagt. Und die Hoffnung, die ist auch nicht abgesagt.

Diese Seite wird in den kommenden Wochen wachsen: Gebete, Texte, Ideen, Bilder. Manches wird zum Herunterladen da sein. Vielleicht, um es weiterzuverschicken. Oder um es an den Kühlschrank zu pinnen.

Nicht alles ist abgesagt! Unsere Gemeinschaft ist nicht abgesagt. Wir tragen, leben, verändern uns weiter. Digital, am Telefon, auf dem Postweg. 

Bleibt behütet und gesund - auf bald!

Ihre und eure Kristin Köhler, Pastorin in der Petrusgemeinde

gemeinsam im gebet

gemeinsam im gebet des monats | oktober

biblisches wort

Baum des Leben

Gesichtet: Der Baum des Lebens vor der Petruskirche. Kommt vorbei - allein, zu zweit! Lest, betet, seid still, lasst euch inspirieren. Und kommt gern wieder, die Texte am Baum wechseln!

Gottesdienst am Küchentisch | sonntags, wenn die Glocken läuten

Wo zwei oder drei versammelt sind, da ist Jesus mitten unter uns. Gott sei Dank! Das heißt: Auch, wenn derzeit keine regulären Gottesdienste stattfinden, wird überall auf der Welt weiter gebetet, gesungen, hört Gott zu und ist nah. Jeden Abend um 18 Uhr und jeden Sonntag um 10 Uhr, wenn die Glocken läuten, schicken wir ein gemeinsames Gebet gen Himmel. Wir sind miteinander verbunden: Am Küchentisch, auf der Couch oder sonst wo. Wer mag, nimmt sich diesen Ablauf zur Hand.

  • Die Glocken läuten
  • Eine Kerze anzünden
  • Einstimmung (laut lesen oder eine*r liest vor)

„Die Glocken läuten und rufen zum Gebet. Jesus sagt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Wir sind versammelt. An unterschiedlichen Orten. Zur gleichen Zeit. Im Glauben. Mehr geht nicht. Mehr muss nicht. Wir feiern in Gottes Namen. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

  • Beten (zum Beispiel)

Gott. Ich bin hier. Und Du bist hier. Ich bete zu Dir. Und weiß: Ich bin verbunden. Mit Dir. Mit anderen, die zu Dir beten. Ich bin hier. Und Du bist hier. Das genügt. Und ich bringe Dir alles, was mich gerade bewegt. Stille Höre auf unser Gebet. Amen.

  • Bibeltext (vor)lesen
    • Im Sterben das Leben. Manche Leute verbreiten Freude, obwohl sie wirklich nichts zu lachen haben: Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 20-26
    • Gehorsam bis zum Tod. „Wer nicht hören will, muss fühlen“: 1. Buch Mose, Kapitel 22, Verse 1-19
    • Grenzmomente. Die Hände, die eben noch Palmzweige schwingen, sind schon zu Fäusten geballt: Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 12-19
    • Ein letztes Ma(h)l. In der Nacht, da er verraten ward…: 1. Korintherbrief, Kapitel 11, Verse 17-34
    • Oh Haupt voll Blut und Wunden: Psalm 22 / Johannesevangelium, Kapitel 19, Verse 16-30
    • R.I.P. (Ruhe in Frieden): Jona, Kapitel 2, Verse 1-11
    • Aus dem Dunkel ins Licht: Jetzt ist Osten!: Matthäusevangelium, Kapitel 28, Verse 1-10
    • Stärker als der Tod. Jesus lebt!: Markusevangelium, Kapitel 16, Verse 1-8
    • Augen auf! Manchmal sehen wir das Offensichtliche nicht: Lukasevangelium Kapitel 24, Verse 13-35
    • Wo ist der Beweis? „Ich glaube nur, was ich sehe“: Johannesevangelium, Kapitel 20, Verse 19-29
  • (Lieblings)Lied  hören oder singen (Evangelisches Gesangbuch, freiTöne, youtube, CD, spotify)
  • Impuls zum Bibeltext
    • Was ist Dir beim Lesen/Zuhören wichtig geworden? Was hat Dein Herz bewegt?
    • Wie wäre die Geschichte ausgegangen ohne Gott?
    • Was hat Dich irritiert?
    • An welches Erlebnis aus Deinem Leben erinnert Dich die Geschichte?
    • Wie würdest Du den Text in Umgangssprache übersetzen?
    • Schreibe einen Brief an einen Freund aus der Sicht einer Person, die im Text vorkommt.
    • Erzähle/Überlege, was Du vor dem inneren Auge gesehen hast, als Du den Text gehört/gelesen hast.
    • 5-Finger-Methode: Sprich/Denk nach über den Text indem Du die fünf Finger Deiner Hand zur Hilfe nimmst. Jeder Finger steht dabei für eine Frage: 1. Daumen: Was gefällt Dir am Text? 2. Zeigefinger: Worauf macht Dich der Text aufmerksam? 3. Mittelfinger: Was stinkt Dir an dem Text? 4. Ringfinder: Wo steckt in dem Text eine Zusage/Versprechen Gottes? 5. Kleiner Finger: Was kommt Dir in diesem Text zu kurz?
  • Fürbitten

Gott, wir bringen Dir unsere Gedanken, unseren Dank und unsere Sorgen. Stille Wir denken an alle, die wir lieben. Was tun sie wohl gerade? Stille Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Stille Wir denken an alle Kranken und an die in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können. Stille Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich ein für uns mit ihren Gaben. Stille Wir beten zu Dir mit den Worten, die uns auf der ganzen Welt miteinander verbinden: Vater Unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit. Amen. 

  • Segen

Hände öffnen und laut sprechen: Gott, segne uns und behüte uns. Gott, lass Dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott, erhebe Dein Angesicht auf uns und schenke uns Frieden.

Oder

Fenster öffnen. Einatmen. Ausatmen. Spüren, dass Gott da ist. Spüren, dass andere da sind. Verbunden. Miteinander. Mit Gott. Im Glauben. Einatmen. Ausatmen. Und leise sprechen „Gott spricht: Ich bin bei euch bis ans Ende der Welt“ (oder ein anderes Segenswort oder ein anderes Wort, das gerade Kraft gibt). Stille. Einatmen. Ausatmen. Fenster schließen.

  • Kerze auspusten

gebet während einer pandemie

Covid-19-Psalm

Für Bastler*innen

Noch mehr für Kinder...

... gibt's auf der Seite "Kirche entdecken"!

Da nimmt euch Kira die Elster zusammen mit ihren Freunden Benjamin Maus und Ottmar Eule mit auf eine spannenden Reise in eine Kirche...

 

... hier geht's zu Kira und ihren Freunden

Antwort per WhatsApp auf die Frage, ob sie sich jemals hätte vorstellen können, noch einmal einen Ausnahmezustand zu erleben:

 "Krieg, Nachkriegszeit: Viel viel schlimmer. Jahre, nicht Wochen oder Monate! Krieg ist von Menschen gemacht, um zu töten. Zerstörung ganzer Städte. Jetzt sitzen wir warm in den Wohnungen, müssen nicht hungern und können uns waschen, haben Klopapier. Es gibt menschliche und finanzielle Hilfe."

Erika Behrens, 89 Jahre, Hildesheim

Wir beten. Wir sind da. Gott ist da.

Ein kleiner Gruß von Pastorin Kristin Köhler!

Jesus sagt:

Ihr seid jetzt traurig. Doch ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz voll Freude sein und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen.

Johannesevangelium, Kapitel 16, Vers 22

Impuls am 4. April 2020: Jesus kündigt zum 3. Mal seinen Tod an

Jetzt ist es also soweit. Du ziehst hinauf nach Jerusalem. An deiner Seite deine treuen Wegbegleiter*innen. Zu Zwölft seid ihr unterwegs, immerhin! Davon können wir in diesen Tagen ja nur träumen. Und trotzdem möcht‘ ich in deiner Haut grad auch nicht stecken, Jesus.

Du wirst gefangen genommen.

Du wirst verurteilt.

Du stirbst am Kreuz.

Stille. Nichts. Luft anhalten. Weinen. Nichts. Stille.

Du stehst auf! Von den Toten – hinein ins Leben.

Aber das liegt alles erst noch vor dir. Jetzt geht da diese Frau neben dir, sie sieht verängstigt aus. Die beiden Jungs, die sie an den Händen hält, können kaum Schritt halten, ich glaub, die würden lieber alleine gehen. Ich kann‘s verstehen. Die Frau sagt: „Wenn du dann regierst, Rabbuni, in deinem Reich, lass doch bitte meine Söhne rechts und links von dir sitzen.“ Und ich denke: War klar, dass irgendjemand darum bitten würde. Ich schaue in dein Gesicht – die Sorgenfalten auf deiner Stirn sehen mit einem Mal noch tiefer aus. Mit leiser Stimme antwortest du: „Ich verstehe dich, meine Liebe. Aber du musst wissen: Diese Entscheidung treffe nicht ich. Und überhaupt, noch ist es nicht so weit. Warte ab. Übe dich in Geduld.“ Du drehst dich um zu den anderen aus eurer Wandergruppe. Ob du ihr Tuscheln bemerkt hast? „Hört mal her! Ich glaube, ich muss nochmal was deutlich machen, bevor wir bald in Jerusalem ankommen: Macht euch keine Sorgen darüber, wie es weitergeht, wenn ich nicht mehr bei euch bin. An wessen Tisch ihr sitzt und neben wem, wird sich zeigen, wenn es dran ist. Sorgt lieber dafür, dass es weitergeht! Geht durch die Straßen und schaut den Menschen, die euch begegnen, in die Augen. Was brauchen sie? Geht in die Knie, wenn jemand kleiner ist als ihr – oder auf dem Boden sitzt. Lasst euch einladen und ladet euch selbst ein: Beim gemeinsamen Essen kommen immer auch Lebensgeschichten auf den Tisch. Hört genau hin. Und wenn es nötig ist, dann legt eure Hände auf Schultern, Rücken, Köpfe, Hände. So habe ich es getan. So könnt ihr es auch tun.“ Während du gesprochen hast, bist du stehen geblieben. Die Frauen und Männer verharren in einem Halbkreis vor dir. Ich könnte eine Stecknadel fallen hören.

Weißt du, Jesus, was ich an dir mag? Du bist so klar. Ganz im Hier und Jetzt. Obwohl du ja irgendwie schon von Geburt an mit einem Bein im Grab stehst – oder im Himmel, wie man’s nimmt. Du malst dir nicht die Zukunft aus, weder bunt noch schwarz. Du bist da, lässt dich ansprechen von den Menschen, du lässt dich berühren von ihren Unsicherheiten, Ängsten und Sorgen. Und du hältst das Jetzt aus.

Jesus, weißt du, dass wir in diesen Tagen viel aushalten müssen? Als seien wir auch auf dem Weg nach Jerusalem. Deshalb: Wenn es möglich ist, schenk uns klare Gedanken für den Tag und ruhige Träume  für die Nacht. Lass uns hören und sehen, am Telefon, über den Gartenzaun hinweg, per Mail. Wie gern würden wir dafür sorgen, dass es weitergeht! Sorg du dafür, dass es gut wird. Amen.

Pastorin Kristin Köhler

Zum Bibeltext: Matthäus 20,17-28

Ostersammelsurium

Hier werdet ihr Texte, Andachten, Impulse für die Tage rund um Ostern finden. Viel Spaß beim Stöbern...

An Gründonnerstag erinnern wir uns an das letzte Mahl, das Jesus mit seinen Freundinnen und Freunden gefeiert hat. Abschiedsmahl und Liebesmahl zugleich, eine Stärkung für den Weg in die Nacht.

Auch in diesem Jahr feiern wir Gründonnerstag. So ganz anders als sonst! Nicht an langen festlich gedeckten Tafeln in der Petruskirche. Stattdessen: In unseren Wohnungen, im Kreis der Familie oder allein. Wenn möglich, beginnen wir alle um 19 Uhr – dann sind wir miteinander verbunden.

Zur Vorbereitung: Es braucht einen Tisch, einfach, aber liebevoll gedeckt, eine Kerze, vielleicht auch eine Bibel und ein Gesangbuch. Und natürlich ein Brot, das für alle reicht, einen Kelch oder ein Glas mit Wein oder Traubensaft, dazu Quark und Gemüse oder etwas anderes für eine einfache Mahlzeit. Vielleicht mögt ihr auch zwischen den einzelnen Texten oder während des Essens im Anschluss an das Agapemahl Musik hören. Das entscheidet jedeR für sich.

 

Ankommen – EineR sagt (oder im Wechsel):

Im Namen Gottes will ich aufrichten, was krumm ist und gebückt.

Im Namen Gottes will ich lieben, was allein ist und in sich verkehrt.

Im Namen Gottes will ich Frieden ausrufen in den Straßen, Recht sähen in den Herzen, Liebe üben, wo Hass herrscht.

Im Namen Gottes sind wir miteinander verbunden. Wir sehen und schmecken wie freundlich Gott ist. Im Namen unseres Gottes feiern wir diesen besonderen Abend. Amen.

Ein Lied singen/hören/lesen (z.B.: Herr, bleibe bei uns, EG 483)

Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.

Einen Psalm mitbeten – Mit einem Mahl

Die Nachricht dringt in mein Ohr: Groß sind die Werke des Herrn. Mit Brot und Wein verändert er die Welt und stiftet ein Gedächtnis, in dem er lebendig ist.

Mit einem Zeichen seiner Liebe erneuert er die Verbindung zwischen sich und denen, die ihm verbunden sind. Mit Brot und Wein stärkt er unseren Glauben, bewahrt er unsere Liebe, beschützt er unsere Hoffnung.

Mit einem Mahl verwandelt sich unsere Selbstsucht in Fürsorge, mit einem Mahl erfahren wir ein neues Bewusstsein: Der Glanz der Mächtigen verteilt sich auf das ganze Volk, die Barmherzigkeit gilt als neues Handlungsmotiv; der Überfluss der einen wird zum gerechten Ausgleich für die anderen; die Nahrung reicht aus für alle.

Jeder kommt zu seinem Recht, keiner kommt mehr zu kurz, jeder bekommt reichlich, niemand kommt mehr um, kein Mensch hungert mehr.

Mit einem Mahl – verändert ist die Welt. Amen.

aus: Hanns Dieter Hüsch, Uwe Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für alle Tage, S. 45

Ein Lied singen/hören/lesen (z.B.: Herr, bleibe bei uns, EG 483)

Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.

Beten

Gott, wir kommen zu dir, wie wir sind. Mit dem, was uns freut, mit dem, was uns Angst macht. Du weißt, wir brauchen dein Wort, das uns frei macht zu reden, zu handeln. Du weißt, wir brauchen deine Nähe – in diesen Tagen ganz besonders. Gib uns und unserer Hoffnung Nahrung. Segne diese Mahlfeier. Amen.

EineR liest aus dem 1. Brief an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 11, Verse 23-26

23 Denn ich habe selbst vom Herrn eine Überlieferung empfangen. Und die habe ich euch weitergegeben: In der Nacht, in der er verraten wurde, nahm der Herr Jesus das Brot. 24 Er sprach das Dankgebet, brach das Brot in Stücke und sagte: »Das ist mein Leib für euch. Tut das immer wieder zur Erinnerung an mich!« 25 Genauso nahm Jesus nach dem Essen den Becher und sagte: »Dieser Becher steht für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Er kommt zustande durch mein Blut. Tut das immer wieder, sooft ihr aus dem Becher trinkt, zur Erinnerung an mich!« 26 Denn sooft ihr dieses Brot esst und aus diesem Becher trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn – so lange, bis er wiederkommt!          

                                                                   (Übersetzung aus der Basisbibel)

Ein Lied singen/hören/lesen (z.B.: Herr, bleibe bei uns, EG 483)

Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneiget.

Verkündigungsimpuls – Ein allerletztes Ma(h)l

Ein allerletztes Mahl. Ein allerletztes Mal sitzen wir zusammen. Die Essensreste auf den Tellern zeugen von dem Festmahl, das wir uns gegönnt haben. Eine Schieferplatte mit all den Käsesorten, die ich so liebe: Der Heumilchkäse aus den Alpen, bei dem ich an die Berge denken muss. Der Ziegenkäse aus Frankreich mit seinem Duft und dem reifen Kern. Der alte Amsterdamer, der so gut auf Baguette schmeckt. Und natürlich der Coeur de Lion, dessen Geruch die anderen nur mir zu Liebe ertragen. Daneben ein Platte mit Wurst, Schinken und Paté, eine Sorte köstlicher als die nächste. Weintrauben schmücken den Tisch und das warme Baguette liegt in Körben vor uns. Im kräftigen Rot des Weines spiegeln sich die letzten Sonnenstrahlen. Die Luft ist warm und klar, der Wind fährt leise raschelnd durch die Bäume.

Ich blicke in die Gesichter meiner Freunde. Für einen Moment steige ich aus den Gesprächen aus. Ich lehne mich zurück.

Ich sehe Markus in seinem maßgeschneiderten Anzug. 1200 km ist er gefahren, um heute Abend dabei sein zu können. Ich sehe Anna, von deren Kraft ich die vergangenen Monate leben durfte. Ich sehe Thomas, der uns noch immer alle wie auf Knopfdruck zum Lachen bringen kann. Ich sehe Tabea, in deren Augen so viel Trauer liegt, dass sie ihr Lachen verraten. Ich sehe Johanna, über deren Kommen ich beinahe am glücklichsten bin. Wir hatten es nicht leicht miteinander in der letzten Zeit. Nie konnte ich wissen, ob sie zurückkommt. Jetzt ist sie da. Was wird aus ihr, wenn ich nicht mehr da bin?

Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

In meine Melancholie mischt sich das Gefühl, unfassbares Glück zu haben. Ich habe versucht mich in die Einsamkeit zu flüchten. Wollte mich darin laben, den anderen nur nicht zur Last fallen. Aber die Menschen an diesem Tisch haben nie zugelassen, dass ich die Verbindung ganz trenne. Und natürlich weiß ich – wissen wir alle – dass ich den Weg, der vor mir liegt, alleine gehen muss. Der Gedanke daran macht mir Angst. Doch irgendwie haben sie alle es geschafft, mich vor meiner Angst zu schützen, haben sie nie zur Verzweiflung werden lassen. Und selbst dann, wenn die Angst mich doch mal ganz im Griff hatte, waren sie da. Haben es einfach mit mir ausgehalten. Haben ausgeharrt bis das Schlimmste vorüber war.

Ich habe viel Wut, Zynismus und Verachtung nach Oben geschossen. Ich stehe dazu: Anders hätte ich es nicht ertragen. So konnten meine Gefühle jedenfalls einen Platz finden.

Noch einmal blicke ich in die Gesichter meiner Freunde. Und schicke einen Dank gen Himmel. Für Markus, für Anna, für Thomas, für Tabea, für Johanna und all die anderen. Für die Zeit, die ich mit ihnen hatte und auch für die Zeit bevor ich sie kannte. Für ein Leben, das mich oft genug geplagt, aber meistens begeistert hat. Für diesen Abend, an dem wir unser Leben feiern.

Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Tabea schaut zu mir herüber und ich bemerke, dass ihr Tränen in die Augen treten. Unsere Blicke begegnen sich für einen Moment. Ich lächle ihr zu, streiche ihr über den Arm. Sie schließt kurz die Augen, dann strafft sie ihre Schultern – und lächelt zurück.

Unsere Welt hat sich mit einem Mal verändert.

Ich erhebe mein Glas und die Gespräche verebben: „Auf das Leben!“, rufe ich. „Auf das Leben“, kommt es zurück. Amen.

Pastorin Kristin Köhler

Ein Lied singen/hören/lesen (z.B.: Von guten Mächten wunderbar geborgen, EG 65)

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.

Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Stille/Tischgespräch

Musik oder ein Lied singen/hören/lesen (z.B.: Er ist das Brot, EG 228)

Er ist das Brot, er ist der Wein, steht auf und esst, der Weg ist weit. Es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein, es schütze euch der Herr, er wird von Angst befrein.

Er ist das Brot, er ist der Wein, kommt, schmeckt und seht, die Not ist groß. Es stärke euch der Herr, er wird euch Schuld verzeihn, es stärke euch der Herr, er wird euch Schuld verzeihn.

Er ist das Brot, er ist der Wein, steht auf und geht, die Hoffnung wächst. Es segne euch der Herr, er lässt euch nicht allein, es segne euch der Herr, er lässt euch nicht allein.

Miteinander das Mahl teilen und feiern

Auf meinem/unseren Tisch stehen Brot und Wein/Traubensaft, Zeichen der Hoffnung und der Fülle des Lebens, die Jesus uns geschenkt hat. Wenn wir davon esse und trinken, tun wir das in Gottes Gegenwart, dem wir alles Leben verdanken. Wir sind verbunden mit allen, die wir lieben. Gottes Friede ist unter uns.

Wir erinnern uns.

EineR liest aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 26, Verse 26-29

Beim Essen nahm Jesus ein Brot. Er lobte Gott und dankte ihm dafür. Dann brach er das Brot in Stücke und gab es seinen Jüngern. Er sagte: »Nehmt und esst! Das ist mein Leib.« 27 Dann nahm er den Becher. Er sprach das Dankgebet und gab ihn seinen Jüngern. Er sagte: »Trinkt alle daraus! 28 Das ist mein Blut. Es steht für den Bund, den Gott mit den Menschen schließt. Mein Blut wird für die vielen vergossen werden zur Vergebung ihrer Schuld. 29 Das sage ich euch: Ich werde von jetzt ab keinen Wein mehr trinken. Erst an dem Tag werde ich mit euch neu davon trinken, wenn mein Vater sein Reich vollendet hat.«

(Übersetzung aus der Basisbibel)

Vater Unser beten

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.

EineR sagt: Jesus ist mitten unter.

Jetzt wird das Brot weitergegen, dann der Becher. Dazu kann gesagt werden: „Christus für dich!“. Am Ende ein Moment Stille.

Gebet zum Schluss

Wir danken dir, Lebendige, du hast uns um diesen Tisch versammelt. Du gibst Zeichen der Hoffnung inmitten von Dunkelheit und Kälte.

Wir danken dir Jesus Christus. Durch dein Leben ist für unser Leben eine neue Dimension sichtbar geworden. Du bist das Brot, das unsere Hoffnung nährt, das Licht, das unsere Welt erwärmt. Du bist der Mensch, an dem wir Menschen noch nicht Menschen sind. Du bist uns weit voraus und doch ganz nah. Du bist Weg und Ziel, du bist Unruhe und Friede.

Wir danken dir, Heilige Geistkraft, die du in unsere Herzen ausgegossen bist. Du verbindest uns über die Grenzen hinaus, die wir selbst uns setzen. Du hilfst uns hoffen, glauben, lieben.

Sei uns nahe, dreieiniger Gott, segne und behüte uns. Amen.

Jetzt wird miteinander gegessen! Mit Genuss, bei Musik, in Stille. Wir ihr mögt.

Einen Abendlied zum Abschluss singen/hören/lesen (z.B.: Der Mond ist aufgegangen, EG 482)

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen,
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget,
Der weisse Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämm'rung Hülle,
So traulich und so hold,
Gleich einer stillen Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer,
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen,
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht seh'n.

So legt euch denn ihr Brüder
In Gottes Namen nieder.
Kalt weht der Abendhauch.
Verschon' uns Gott mit Strafen
Und lass' uns ruhig schlafen
Und unsern kranken Nachbarn auch.

Warum feiern wir überhaupt Ostern? Und was bedeuten die unterschiedlichen Symbole? 

Katrin hat sich dazu einige Gedanken gemacht und es für euch aufgeschrieben. Es sind auch Ideen zum kreativen Austoben dabei! 

Jesus sagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Wenn der Gottesdienst in der Kirche ausfällt, dann könnt Ihr zu Hause mit Euren Kindern Gottesdienst feiern. So habt Ihr diese besondere Zeit bei Euch Zuhause. Gott wird dabei sein.

Wer schon vor Ostern Lust hat vorzubereiten...

Ihr könnt eine Grabhöhle auf der Terrasse, auf dem Balkon oder im Wohnzimmer bauen. Vielleicht auch an dem Ort, an dem ihr die Andacht feiern wollt. Geht nach draußen und sucht Steine, Stöcker und Holzbretter. Vor die Grabhöhle legt ihr einen großen Stein, der die Höhle verschließt. (Am Ostersonntag ist dieser nicht mehr da. Das Grab ist leer...)

Vorbereitung                                                                                              

Sucht mit Euren Kindern einen schönen Ort aus und macht es Euch gemütlich. Ihr könnt den Ort gestalten: Kissen auslegen, auf denen Ihr sitzen möchtet und einen „Altar“ auf einem Tisch, einer Kiste oder einem Tuch auf dem Fußboden vorbereiten. Mit Blumen, um den Tisch zu schmücken. Einer brennenden Kerze, die daran erinnert, dass Gott unser Licht ist und bei dieser Feier dabei ist. Einer Bibel für all die Geschichten, die wir von Gott und den Menschen erzählen und hören können. Einem Kreuz dafür, dass Gott zu uns in die Welt gekommen ist und den Tod besiegt hat. (Es können echte Blumen oder welche aus Lego sein. Das Kreuz kann aus Löffeln oder Bauklötzen gelegt werden. Alles ist erlaubt. Die Kinder werden schon etwas Passendes finden.)

Material für die Aktion während der Andacht: Knete, Bausteine, Lego, Buntstifte und Papier

 

Die Andacht beginnt

  • Eine Kerze anzünden und in der Andacht „ankommen“

Wir feiern im Namen Gottes, der alles geschaffen hat, im Namen Gottes, der wacht über Groß und Klein, im Namen Gottes, der jetzt mitten unter uns ist. Amen.

  • Beten

Wenn wir beten, dann sprechen wir mit Gott. Das lasst uns jetzt mal tun. Und dazu können wir alle die Hände falten.

Das Leben ist schön. Es gibt so viel Buntes und Fröhliches und Trauriges. Es gibt so viel, was uns zum Weinen und zum Lachen bringt. Du hast uns das Leben geschenkt. Danke, lieber Gott. Amen.

  • Ein Lied singen

z.B. „Einfach spitze“ (https://www.youtube.com/watch?v=OSQV_qbHbrk)

oder „Hallelu, halleu, hallelu, Halleluja, preiset den Herrn“ (https://www.youtube.com/watch?v=1b9t9mA72uA)

  • Ostergeschichte vorlesen/angucken

Jemand erzählt die Ostergeschichte oder liest sie vor: Lukasevangelium Kapitel 24, Verse 1-12. Ihr könnt auch Eure Kinderbibel nehmen!

(Unter www.die-bibel.de findet sich der Text auch. Luther 2017 oder Basisbibel anklicken und die Bibelstelle eingeben. Bei der Basisbibel werden schwere/unverständliche Worte erklärt, wenn man sie anklickt.)

Wenn ihr eine Grabhöhle gebaut habt, könnt ihr den Stein jetzt wegnehmen. Vielleicht findet ihr auch Lego-Figuren, die die Geschichte lebendig machen…

  • Aktion

Malt, knetet, bastelt oder baut aus Bausteinen, was euch aus der Geschichte in Erinnerung geblieben ist! Danach schaut Ihr Euch an, was alle gestaltet haben. Wer mag, erzählt sich noch gegenseitig, was das Schönste an der Geschichte war oder was Euch nicht so gut gefallen hat.

  • Ein Lied singen

z.B. „Gottes Liebe ist so wunderbar“ (https://www.youtube.com/watch?v=kTYsYoAFYoI)

oder „Das wünsch ich sehr“ (https://www.youtube.com/watch?v=6K-l7h_kWq4)

  • Für andere beten – und für uns

Wir beten jetzt noch einmal und wenn es geht, werden wir noch einmal still.

Eine/r:

Gott, es ist wie ein Wunder: Traurige werden wieder fröhlich. Ängstliche werden mutig. Freude ist ansteckend. Steck uns an mit deiner Lebenslust.

Guter Gott, heute denke ich besonders an...

(Jedes Kind und jeder Erwachsene erzählt seine Sorgen, Wünsche und Bitten.)

Gott, du kennst uns. Du weißt, wie es uns geht. Deine Nähe brauchen wir. Lass uns nicht allein. Danke.

Und alle gemeinsam beten wir das Gebet, das heute ganz viele Menschen auf der ganzen Welt beten: Vater Unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe. Wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

  • Ein Lied singen

z.B. „Gott, dein guter Segen“ (https://www.youtube.com/watch?v=S_WpqjCIzWU)

  • Um Gottes Segen bitten

Wir legen einander die rechte Hand auf die linke Schulter.

Gott, segne uns und das, was wir tun;

Behüte uns und die, mit denen wir zusammen sind;

Lass dein Angesicht leuchten über uns und über die, mit denen wir im Streit leben;

Sei uns gnädig, Großen und Kleinen, Frohen und Traurigen, Kranken und Gesunden;

Erhebe dein Angesicht auf uns und auf alle Menschen;

Gib uns und der ganzen Welt Frieden. Amen.

 

Nach der Osterandacht

Wenn ihr später in den Garten geht oder einen Spaziergang macht... Vielleicht habt ihr Lust, nach einem Jubelkreuz Ausschau zu halten! Nehmt eine Gartenschere mit und schneidet den Zweig ab. Mit den Fingern kann man an manchen frischen Zweigen die Rinde abknibbeln.

Diese Kreuze jubeln! Denn: Jesus ist nicht mehr tot. Er lebt! Halleluja!

Wir können uns nicht treffen, aber wir können rausgehen - auf den Balkon, ans Fenster, auf die Straße, in den Garten - und alle wissen lassen: Jesus lebt! #OsternvomBalkon

Dazu schlägt das Posaunenwerk Hannover vor: Um 10:15 Uhr singen oder spielen wir auf welchem Instrument auch immer Christ ist erstanden (EG 99).

Christ ist erstanden / von der Marter alle.
Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen.
Seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ
’.
Kyrieleis.

Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.

"Auf dass die Osterbotschaft an vielen verschiedenen Orten durch viele verschiedene Menschen viele Menschen erreicht. "

Offene Petruskirche zu Ostern

Impuls am 19. April 2020 | Quasimodogeniti oder: Erinnerungen an die eigene Konfirmation

„Liebe Konfis, ich werde euch jetzt fragen, ob ihr konfirmiert werden wollt und dazu bitte ich euch aufzustehen.

Ihr werdet nun selbst bestimmen, Ihr habt von Jesus Christus gehört, wie er gelebt und gehandelt hat. Nun ruft Gott euch, Jesus im Geist der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit nachzufolgen.

So frage ich euch: Wollt ihr im Vertrauen auf die Liebe Gottes euren Weg so gehen, wie Jesus uns ihn gezeigt hat? Wollt ihr euch für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Welt einsetzen und in Jesu Fußspuren treten? Wollt ihr Verantwortung für Euren Glauben übernehmen? Wollt ihr konfirmiert werden, so antwortet: »Ja, mit Gottes Hilfe.«

Na, erinnert ihr euch noch an diese – oder ähnliche – Worte? Die sogenannte Konfirmandenfrage. In der altkirchlichen Tauftradition hatte der erste Sonntag nach Ostern eine feste Bedeutung: An diesem Tag nämlich legten die neugetauften Christinnen und Christen ihre weißen Kleider ab, die sie seit der Osternacht (der Nacht, in der sie getauft worden sind) getragen hatten. In der katholischen Kirche trägt dieser Sonntag auch den Namen „Weißer Sonntag“ – es ist gut möglich, dass dieser Name auf jenen Brauch zurückgeht. Jedenfalls: Weil dieser Sonntag schon seit der Urkirche etwas mit Mündigkeit im Glauben zu tun hat, ist es in vielen Gemeinden Tradition, an diesem Tag Konfirmation zu feiern. Vielleicht habt ihr es selbst so erlebt.

Überlegt mal: Wie war das bei eurer Konfirmation? Konntet ihr laut und ohne Zweifel antworten: Ja, mit Gottes Hilfe!? Und jetzt erinnert euch mal weiter: Wie war das eigentlich damals, bei eurer Konfirmation? Hat euch der Gottesdienst etwas bedeutet? Was war euer Konfirmationsspruch? Würdet ihr den wieder auswählen (wenn nicht: Hier könnt ihr stöbern www.konfispruch.de)? Was war das schönste Geschenk? Wenn ihr noch Bilder habt, kramt die doch mal hervor!

In diesem Jahr werden die Konfirmationen nicht wie gewohnt stattfinden. Corona hat uns einen kräftigen Strich durch die Rechnung gemacht. Für die Konfis und uns, die wir die letzten zwei Jahre mit den Jugendlichen auf diesen Tag hingearbeitet haben, ist das richtig traurig. Wir hoffen, dass wir im Herbst ungestört die Konfirmation feiern können – aber sicher ist das nicht.

Wenn ihr Enkelkinder, eigene Kinder, Patenkinder, Nachbarskinder, Nichten, Neffen habt, die in diesem Sommer eigentlich Konfirmation gefeiert hätten habt, dann erzählt ihnen doch an diesem Sonntag von euren eigenen Konfirmationen. Vielleicht verschickt ihr auch Fotos. Und wenn da niemand in eurer nächsten Nähe ist, dann ruft eine Freundin, einen Freund an und erzählt oder fragt nach: Sag mal, wie war das eigentlich damals bei dir?

Ich glaube, in diesen Tagen, in denen die Welt Kopf zu stehen scheint und Zweifel und Skepsis präsenter sind als sonst, ist es heilsam, sich über die eigenen (Glaubens-) Erfahrungen auszutauschen. Zu erzählen, wie man selbst im Glauben groß geworden ist, wie es war, als frau den eigenen Glauben bei der Konfirmation bekannt und bestätigt hat. Und dann auch die Fragen und Ängste zu hören. Die gehören dazu.

„… Und so frage ich euch: Wie war das damals…“

Pastorin Kristin Köhler

Offene Kirche

Hirtensonntag | Impuls am 26. April 2020

„Ich bin der gute Hirte“, sagt Jesus: Der zweite Sonntag nach Ostern ist der Hirtensonntag. In der Bibel ist der Hirte eines der bekanntesten Bilder für Gott.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.          

(Psalm 23, Übersetzung nach Luther 2017)

Der Hirte sorgt dafür, dass die Herde frisches Wasser und Gras findet und sicher weiden kann – und die Schafe wissen, wo sie hingehören und wo sie sicher sind.

Überleg mal: Wo hast Du Dich versorgt gefühlt? Wo hat jemand auf Dich geachtet? Und wo wärst Du vielleicht auch gerne aus der Herde ausgebrochen?

Jubelsonntag | Impuls am 3. Mai 2020

Dieser Sonntag heißt Jubilate.

Jubelsonntag.

Wir freuen uns – über das Gute, das schon da ist – sichtbar und unsichtbar.

Schöpfung und neues Leben sind die Themen an diesem Sonntag. Die Worte aus dem Johannesevangelium sagen uns das: Neu zu werden ist möglich - auch hier und heute. Als Reben werden wir Menschen vom Weinstock mit den notwenigen Nährstoffen versorgt. In und von dieser Verbindung leben wir. 

  • Evangelium des Tages aus Johannes 15

Hinführung

Wie schön Jerusalem im Frühling ist! Nach der langen Zeit in der Wüste können sich die Jüngerinnen und Jünger kaum an dem Grün und den farbenfrohen Blüten der Bäume satt sehen. In ihren Herzen tragen sie die Erinnerung an den Abend, als Jesus sich vor einen jeden von ihnen gesetzt und ihnen behutsam die Füße gewaschen hat. So nah waren sie ihm vorher nie gewesen. Aber jetzt ahnen sie auch: Bald wird sich was ändern. Bald wird geschehen, wovon Jesus immer gesprochen hatte: Er wird sie verlassen. Und dann wird nichts mehr so sein, wie es mal war. Bevor das passiert, hat Jesus ihnen offenbar noch einiges zu sagen. Sobald sie allein sind, ermahnt und ermuntert er die Jünger und Jüngerinnen, belehrt und beschwichtigt, erinnert und erzählt er. Ihr Rabbi geht nicht einfach so.

Jesus sagte:

1»Ich bin der wahre Weinstock. Mein Vater ist der Weinbauer. 2Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt. Und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt, damit sie noch mehr Frucht bringt.

3Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe. 4Bleibt mit mir verbunden, dann bleibe auch ich mit euch verbunden. Eine Rebe kann aus sich selbst heraus keine Frucht tragen. Dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben. So könnt auch ihr keine Frucht tragen, wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt.

5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.

6Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird weggeworfen wie eine abgeschnittene Rebe und vertrocknet. Man sammelt das Abgeschnittene ein und wirft es ins Feuer, wo die Rebe verbrennt. 7Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte im Innersten bewahrt, dann gilt: Was immer ihr wollt, darum bittet – und eure Bitte wird erfüllt werden. 8Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar, dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist.«

Übersetzung aus der Basisbibel

  • Betrachtung der Evangeliums mit allen Sinnen

Nimm dir ein wenig Zeit, um dem Bibeltext mit allen Sin­nen nachzuspüren. Es ist eine Zeit für dich, die du dir selbst einteilen kannst. Nimm dir so viel Zeit für die einzelnen Schritte, die du brauchst. Lass den Text in deine Situation sprechen.

1. Sich vorbereiten

Suche dir einen bequemen Platz. Nimm eine Körperhaltung ein, in der du wach und aufmerksam bist. Atme ganz bewusst. Spüre deinen Körper und deinen Atem. Stelle dir vor, wie Gott dich mit einem liebevollen Blick ansieht. Bitte Gott um das, was du von ihm und der Zeit des Betens nun erhoffst und ersehnst.

2. Sich mit dem Text vertraut machen

Lies mehrmals (falls möglich laut) langsam und bewusst den Bibeltext (s.o.). „Verkoste“ ihn Wort für Wort, Satz für Satz.

Nimm wahr, was dich berührt, anspricht, wo bleibst du „hängen“?

3. Den Schauplatz bereiten

Lasse vor deinem inneren Auge die Szenerie entstehen :

Wie sieht der Ort aus? Wie ist die Atmosphäre?

Wie sehen die Personen aus?

Was tun sie? In welchem Tonfall sprechen sie? usw.

Lies dafür noch einmal die Einleitung zum Evangelium (s.o.).

4. Die Szene sich ereignen lassen

Male dir lebendig und mit all deinen Sinnen vor Augen, was sich dort abspielt.

Deine Fantasie sieht, hört, schmeckt, ertastet, riecht…

5. Mitfühlen und sich berühren lassen

Nimm selber innerlich an dieser Szene teil, betrachte sie von verschiedenen Blickwinkeln und von verschiedenen Personen her. Die Jüngerinnen und Jüngern sitzen mit Jesus am Tisch. Bald wird Jesus sie verlassen.

Fühle dich in eine Person ein und erlebe mit dieser Person die Szene. Vielleicht bist du auch Zuschauer*in.

Verweile dort, wo du angesprochen, berührt, betroffen, herausgefordert bist.

6. Beten

Was mich berührt oder beschäftigt, erzähle mit freien Worten Gott. Ganz ehrlich drücke alles aus, was sich in dir regt.

Danke, frage, zweifle, bitte, klage…

7. Zurückschauen und sich vergewissern

Was hat das, was du erlebst hast, mit deinem Leben und Glauben zu tun?

Was hast du am Anfang erbeten? Was wurde dir geschenkt?

Halte, wenn du magst, in kurzen Notizen fest, was wichtig war.

Komme wieder Zuhause bzw. an dem Ort, an dem du gerade bist, an.

Kantate! | Impuls am 10. Mai 2020

Im Tempel in Jerusalem ist ganz schön was los! Also damals, vor ungefähr 3000 Jahren. Ein heiliges Gewusel herrscht da, Geistliche, politische Repräsentanten – alles, was Rang und Namen hat, ist vom König mit allerlei Aufgaben betraut worden: „Denkt auch an die Kerzenleuchter und das goldene Geschirr – und bitte, bitte, vergesst die Trompeten nicht!“ – höre ich ihn rufen. Salomo, der König ist ein bisschen aufgeregt… Kein Wunder, so lange, wie er auf diesen Tag gewartet hat. Endlich wird der Tempel in Jerusalem eingeweiht!

Ihr müsst wissen: Jahrelang hatte die israelitische Geistlichkeit Gott durch die Wüste getragen. Gut verstaut in einer Kiste aus Holz (zusammen mit den beiden Tafeln mit den 10 Geboten), daran befestigt zwei lange Stangen, die auf den Schultern der Träger lasteten. Schwer war die Kiste nicht – Gott wiegt ja nichts. Die 10 Gebote vielleicht schon eher. Ihre Schultern waren dann jedenfalls etwas lädiert. Und ihr könnt euch denken: Ein wanderndes Volk hat keinen Tempel unterm Arm. Was dann? Genau, ein Zelt. Wenn sie also rasteten, Gottesdienst feierten, dann wurde Gott in der Kiste unter ein Zelt gestellt und die 10 Gebote gleich mit.

So und diese Zeit hat nun ein Ende. Gott zieht in den Tempel ein, deswegen das heilige Gewusel.

Alle sind auf Position, die Priester sind bestens vorbereitet, endlich können sie das tun, wozu sie ausgebildet und berufen worden sind: Gottesdienst feiern, die Sänger haben sich platziert, ölen ihre Stimme, atmen noch einmal tief ein und aus, die Musiker stimmen ihre Instrumente, pusten den letzten Rest Spucke aus der Trompete, die Leviten (eine Mischung aus Kirchenvorsteherin, Küster, Lektorin und Prädikant) lassen ihre Blicke über die Szenerie schweifen: Haben wir an alles gedacht? – jetzt kanns losgehen.

Aber irgendwie geht’s nicht so richtig los. Es hakt. Der Tempel und die Menschen darin sind fein und herrlich geschmückt – nur kommt so keine rechte Stimmung auf: Die Priester haben sich vertan. Sie haben die ihnen eigentlich zugewiesenen Orte im Tempel vertauscht, da steht der eine am Platz des anderen, das muss nochmal eben schnell neu organisiert werden.

So, aber jetzt! Der Gottesdienst beginnt. Die Priester, Sänger und Leviten öffnen ihre Münder, die Instrumente warten auf ihren ersten Ton, gleich wird der Tempel herrlich zum Lobe Gottes erklingen "Er ist gütig und seine Barmherzigkeit währt ewig“! Und dann kommt Gott. In einer Wolke. Und nicht viele Stimmen erklingen, sondern eine. Die Priester sind sprachlos und alle anderen auch: Sie können nicht tun, worauf sie sich so gut vorbereitet hatten – wegen der Wolke. Gott ist schon da. Und seine Herrlichkeit erfüllt den ganzen Tempel.

Und jetzt schaut euch an. Manche sitzen an diesem Morgen zum erstem Mal seit langem in einem kurzen Gottesdienst oder einer Andacht, andere sitzen zu Hause am Küchentisch oder auf dem Sofa, wieder andere sind in einer Kirche, zünden Kerzen an, sprechen Gebete – wir sind bereit, wollen miteinander singen, uns umarmen, beim Kaffee ins Gespräch kommen, wir stehen sozusagen in den Startlöchern… Als klar war, dass wir wieder Gottesdienste und Andachten würden feiern dürfen, war meine Sorge: Wie soll das gehen, mit den Beschränkungen? So kommt doch keine rechte Stimmung auf. Oder, wer weiß, vielleicht kommt ja andere Stimmung auf, eine, die auch gut ist, aber eben noch nicht vertraut.

Die Einweihung des Tempels ist ein bisschen, nunja, in die Hose gegangen. Gott selbst hat den Gottesdienst unterbrochen. Also den Gottesdienst, wie die Menschen ihn sich vorgestellt hatten.

Kann es sein, dass diese Unterbrechung heilsam ist? Auch, wenn sie stört und schmerzt?

In den letzten Wochen ist viel Neues entstanden, Gottesdienste wurden anders gefeiert, Kirche und Gemeinschaft wurde anders er- und gelebt.

Alles ist anders, ihr sitzt mit großem Abstand, tragt Masken, singt nicht. Aber der Ort, diese Kirche ist die gleiche geblieben. Die hat sich nicht verändert. Die Orgel klingt gleich, das Sonnenlicht fällt wie jedes Jahr um diese Zeit durch die Fenster – und die Spinnenweben, die sind auch noch da.

Gott ist damals in den Tempel eingezogen. Auf seine Art. Hat unterbrochen, was so gut vorbereitet gewesen ist. Vielleicht hätte er den Tempel gar nicht gebraucht – die Kiste in der Wüste und das Zelt, das waren gar nicht mal so schlechte Orte. Gott kommt. Ist schon da. In abgeklebte Kirchen, in Wohnzimmer und in die Wüste. Weil wir da sind. Amen.

Pastorin Kristin Köhler

Ein kleiner Gruß zum Himmelfahrtstag

Eine Collage der Himmelfahrtsbotschaft von 10 Pastor*innen - auch aus Petrus!

Erzähl mal, wie kommst Du durch die Zeit? | 6 Gemeindemitglieder erzählen

Meine Arbeit trägt mich durch diese Zeit. Ich bin sehr dankbar, dass ich jeden Tag in die Krippe gehen kann und dort auch tatsächlich was zu tun habe. Das gibt mir ein Gefühl von Sinn. Der enge Austausch mit Kristin hat bewirkt, dass ich mich nicht allein fühle und meine Sorgen teilen kann, beruflich wie privat. Mein Hund, Spaziergänge im Deister und neu entdeckte Musik helfen mir, Trauer zuzulassen, Ungeduld oder Sorgen kleiner zu machen.

Birgitt Weber-Manthei

Mit viel Musik, Gartenarbeit und vielen Spaziergängen mit dem Hund komme ich durch die Zeit!

Christian Edler

Langeweile habe ich nicht. Ich telefoniere mit meinen Freundinnen. Ich nähe Mundschutz für das Marienstift, Petrushof und Nachbarschaft und bin viel im Garten. Es ist immer was zu tun.

Barbara Rehren

Ich komme bedacht und aufmerksam durch diese Zeit. Mit Mut und Gegenwart des Geistes schaffe ich das.

Freed Janßen

Die ersten 4 Wochen waren sehr schlimm – die Trennung von Familienangehörigen fiel mir schwer, ich konnte meine Mutter im Altenheim nicht mehr besuchen, die Kontakte nach außen haben mir gefehlt. Trost und Kraft geben mir die Gottesdienste, mit denen ihr uns versorgt. Ich zünde auch tatsächlich eine Kerze an und setze mich hin!

Marita Kantelhardt

Ich komme mit Schule durch die Zeit, aber auch mit vielen anderen Dingen, die mich entspannen lassen, für die ich sonst weniger Zeit habe. Ich nutze die freie Zeit, um Bücher zu lesen (am liebsten lese ich Moment Krimis, da hat mir in letzter Zeit am besten „Dreh dich nicht um“ von Karin Slaughter gefallen), oder mehr mit meiner Familie zu machen.

Jule Röhrkaste-Köhler

PfingstWUNDER

Es ist Pfingsten! Und wir sind verbunden im Geist

10 Pastor*innen, 3 Kapläne und 1 Vikar aus Niedersachsen haben sich der Pfingstbotschaft angenommen . Verwirrung der Sprache, aber ein Geist! Und: Petrus ist auch dabei.