Das Interview: Winfried Noack im Gespräch

Pressemitteilung Petrusgemeinde Barsinghausen, 19. Oktober 2020

"Du bist auf der Welt..."

Diesmal stellen wir Ihnen Winfried Noack vor, er wirkt seit einigen Jahren in unserer Gemeinde ehrenamtlich mit, so organisierte und leitete er Herbst- und Kräuterwanderungen und engagiert sich seit 2008 beim Männerfrühstück.

Winfried Noack ist im Jahr 1942 in Göttingen geboren, studierte dort an der pädagogischen Fachschule auf Lehramt Grund- und HHHauptschule, später kam die Zusatzausbildung als Realschullehrer dazu. Im Jahr 1971 bewarb er sich an der Realschule der KGS als Lehrer und unterrichtete dort bis 1981 Biologie, Chemie und Mathe. Danach wechselte er zum Schulbiologiezentrum Hannover und nahm Schüler*innen, Refendar*innen und Lehrer*innen an die Hand zu unmittelbarer Begegnungen mit der Natur.

Die Geschehnisse rund um unsere Gemeinde hat Herr Noack immer wieder verfolgt,  bis er etwa 2008 zum Männerfrühstück kam. Er hat hin und wieder ein Thema übernommen. Seit 2018 leitet er das Männerfrühstück.

Herr Noack, wie stelle ich mir Ihre Tätigkeit bei uns in der Gemeinde genau vor?

Monatlich, jeden  2. Dienstagvormittag treffen sich Männer, die nicht mehr im Berufsleben stehen,  zum Frühstücken und Reden. Dabei werden unterschiedliche Themen langfristig geplant, z.B. Abendmahl, verschiedene Weltreligionen oder aber wir laden interessante Menschen ein - verschiedene Vertreter der Stadt oder vom Hospiz. Auch bereiten wir gemeinsam einen Gottesdienst vor. In diesem Jahr gestalten wir am 18. Oktober einen Gottesdienst zum Thema „Im Schweiße deines Angesichts“ – das ist es mir wert.

Das Männerfrühstück ist mit seinen 12-16 Teilnehmern mittlerweile zu einer Institution geworden, darauf bin ich sehr stolz. Es ist mir sehr wichtig, die schon von Heinrich Peter vorgelebte Kontinuität unserer Treffen zu garantieren.

Und wie stelle ich mir Ihren Morgen vor?

Mein Wecker klingelt, ich koche Kaffee für meine Frau und mich und nehme das Wetter, die Wolken, die Blumen, die Veränderungen im Garten aus dem Fenster wahr. Astrid Lindgren hat es treffend formuliert: „Ja, da muss doch einfach die Zeit sein, um die Hände in den Schoß zu legen und zu schauen“. So ähnlich kann mein Morgen beschrieben werden – eine Art Minimeditation – die Bilder reinlassen, anhalten, innehalten, die Gedanken schweifen lassen.

Es gibt natürlich auch Momente, in denen ich nicht gerne aufstehe, lächelt er. Doch vormittags ist meine produktivste Zeit des Tages. Es liegt bestimmt an meiner ehemaligen Tätigkeit als Lehrer.

Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?

Ich gehe in die Kirche, nicht, weil ich an Gott glaube, sondern weil mich ein bestimmtes Thema interessiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich an etwas glaube, was die Kirche nicht unterschreibt. Gleichzeitig werde ich mir immer mehr bewusst, dass hinter allen chemischen und biologischen Reaktionen Gott steht.

Denn einer Pflanze sagt zum Beispiel keiner, wie sie zu funktionieren hat. Davor habe ich eine große Hochachtung.

Meine ersten religiösen Erfahrungen habe ich während meiner Konfirmationszeit gesammelt. Unser Pastor hat nie direkt über Gott gesprochen und doch durch seine Bilder hat er mich angeregt nachzudenken - was uns bewegt, anderen zuzuhören, zu helfen, ohne etwas dafür bekommen zu wollen.

Und welche Rolle spielt Jesus Christus in Ihrem Leben?

Er ist ein Revolutionär, der sich für Menschen eingesetzt hat, die in ihrem Leben nicht klar gekommen sind. Sein System ist absolut nachahmungswert, dahin werde ich nie kommen. Ich bewundere ihn. Wenn jeder von uns nur ein kleines Teilchen von ihm in die Welt bringen würde, dann wäre die Welt heller. Übrigens,  der Christus über dem Altar in unsrer Kirche ist zu meinem Glaubensblick geworden. Er ist da, nicht gekreuzigt, sondern einladend, beschützend.

Was ist Ihre Definition für Glück?

Meine Momente für Glück sind, mir die Hände in den Schoß zu legen und in die Natur zu schauen, mich über Kleinigkeiten zu freuen – es gibt viele kleine Glückchen im Leben. Das zweite Element vom Glück ist, wenn ich ein Problem hatte und es zu meiner eigenen Zufriedenheit gelöst habe. Wenn ich zum Schluss sagen kann: „Boa, das habe ich gut geschafft!“.

Wie wollen Sie gewesen sein?

Zuversichtlich, positiv eingestellt und aufmerksam anderen Menschen gegenüber und eine helfende Hand zu sein – wie der Samariter.

Was lernen Sie gerade, was Sie noch nicht so gut können?

Ich lerne gerade wegzuwerfen. Mit Hilfe meines Sohnes lerne ich mich von Büchern meiner umfangreichen Bibliothek zu trennen. Ich möchte lernen vom Haben abzusehen und dem Sein mehr Bedeutung beizumessen. Ich möchte frei werden von Verlustängsten.

Stellen Sie sich vor, am Thie steht ein großes Plakat auf dem ein Wort, ein Spruch oder ein Zitat von Ihnen für alle Barsinghäuser zu lesen sein wird. Was wäre das?

„Du bist auf der Welt, damit sie durch dich heller werde“.

Text und Foto: Elena Schwindt

Das Format

Viele gute Seelen hat unsere Kirchengemeinde. Sie besuchen alte Menschen, engagieren sich beim Mittagstisch, bewirten Gäste bei den Gemeindefesten, schmücken die Kirche für die Gottesdienste und tun vieles mehr, was oft im Verborgenen bleibt. Wer sie sind und was sie antreibt, fragen wir in dieser Serie.