Ruhestand Pastor Jürgen Holly

Nachricht Barsinghausen, 20. Mai 2026

Pastor Jürgen Holly verabschiedet sich Ende Mai in den Ruhestand

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Sabine Sahling (SaS) vom Redaktionsteam des Gemeindemagazins im Gespräch mit Pastor Jürgen Holly (JH), der nach elf Jahren in der Mariengemeinde in den Ruhestand geht. Dieses Interview veröffentlichen wir hier in Auszügen

SaS: Jürgen, erzähl ein bisschen über deine Zeit bei Marien.

JH: Im Juni 2015 wurde ich in der Mariengemeinde eingeführt. Ich hatte und habe eine ½ Pfarrstelle und wohnte zunächst übergangsweise im damals vakanten katholischen Pfarrhaus, von wo aus ich einige Wochen zu meiner Familie pendelte, bis meine Frau und ich dann im August nach Egestorf in eine angemietete Dienstwohnung zogen. Schwerpunkte meiner Arbeit waren die Altenheime, das Thema „Nachhaltigkeit“ sowie kreative Gottesdienste, die ich aus meiner vorherigen Gemeinde mitgebracht hatte. Zum Beispiel Segnungs-, Kunst- und Märchengottesdienste konnte ich auch hier feiern, vor allem die Faschingsgottesdienste und die Literaturgottesdienste erfreuten sich großer Beliebtheit. Neu und ein alter Traum von mir war der Fahrradgottesdienst, der hier realisiert wurde.

Neben meiner Stelle in der Mariengemeinde habe ich zu verschiedenen Zeiten noch Viertelstellen in Göxe-Goltern-Stemmen, in der Petrusgemeinde und für die Altenheime gehabt.

Ich kann von mir sagen, dass ich alle Gemeinden, die jetzt in der Gesamtkirchengemeinde vereint sind, mit ihren Kirchen und Kanzeln gesehen habe. Daher war mir der Gedanke einer Gesamtkirchengemeinde sehr vertraut und Nutzen und Notwendigkeit waren mir schon länger deutlich.

SaS: Wie blickst du auf die letzten aktiven Monate deiner Tätigkeit?

JH: Ich habe mir vorgenommen, vieles noch einmal zu machen. Im Herbst habe ich mit dem Theaterprojekt „Freyheit – Rebellion im Rock“ begonnen. Auf der Wunschliste ganz oben stand Bibliodrama, eine Form der Bibelauslegung, die Verstand, Sinne und Gefühle gleichermaßen anspricht. Dafür habe ich eine dreijährige Ausbildung absolviert. Im Januar konnte ich dann endlich zusammen mit Kristin Köhler einen Bibliodramatag durchführen. Auch ein Gottesdienst im Hospiz Barsinghausen, der Kunstgottesdienst zu Claude Monet sowie ein letzter Faschingsgottesdienst und ein allerletzter kleiner Literaturgottesdienst gehören auf die Wunschliste. Ja, es weht schon ein Hauch von Abschied durch meinen Alltag, aber ich habe versucht Nachfolger*innen für die verschiedenen Aktivitäten zu finden. So übernimmt Elke Pankratz-Lehnhoff den Fahrradgottesdienst, Achim Hüls betreut die „Offene Kirche“ weiter und Lars Peter wird Chef des Teams beim Stadtradeln.

SaS: Was hat dir bei deinem Beruf am meisten Spaß gemacht?

JH: Die kreativen Gottesdienste lagen mir immer sehr am Herzen. Ein Höhepunkt war dabei der Radiogottesdienst zum Thema „Fahrradfahren“ im Juni 2021, der unter erschwerten Bedingungen in die Coronazeit fiel. Gemeinsame Proben waren nicht möglich. Auf NDR Info und WDR 5 ausgestrahlt, gab es ungefähr 300.000 Zuhörer*innen. Ich saß nach dem Gottesdienst noch zwei Stunden am Hörertelefon und erhielt insgesamt weit über 100 Zuschriften, die allermeisten sehr positiv. Zusammen mit Ole Magers, Gerald Pursche, der Jugendband, Heiner Koops, Michael Krassmann und dem ADFC haben wir dieses Projekt gemeistert.

Darüber hinaus fallen mir besonders die beiden Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum 2017 und zum Bauernkriegsjubiläum 2025 ein. Dann war ich sehr gerne Leiter der Gruppe „Offene Kirche“ und habe den Bibelgesprächskreis acht Jahre lang geleitet. Auch das Thema „Nachhaltigkeit“ hat mich immer begleitet. Angefangen von einer Ausstellung mit dem Titel „Das hässliche Erntlein“ zur kritischen Auseinandersetzung mit der Lebensmittelverschwendung, über mein Engagement für die PV-Anlagen auf der Mariengemeinde und die Durchführung eines Gottesdienstes für Zufußgehende bis hin zur AG Nachhaltigkeit im Kirchenkreis, in der ich mitgearbeitet habe.

SaS: Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

JH: Unser neuer Lebensmittelpunkt wird wohl Hannover werden. Wie bei anderen auch braucht es auch bei mir ein wenig Abstand zur Kirche. Ich möchte gemeinsam mit meiner Frau alte Freundschaften erneuern. Darüber hinaus werde ich an der MHH an einem Patientensimulationsprogramm teilnehmen. Das Casting dazu habe ich schon vor einiger Zeit erfolgreich absolviert, aber nach der Zusage der MHH steige ich dann in die Praxis ein. Das ist eine spannende Aufgabe, denn angehende Ärzte sollen in simulierten Patientengesprächen ihre Kommunikationsfähigkeit verbessern.

Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die mich begleitet und unterstützt haben. Wo ich unaufmerksam war, bitte ich um Entschuldigung.

SaS: Lieber Jürgen, ganz herzlichen Dank für deine Bereitschaft für dieses Interview und für deine Offenheit. Wir schauen mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf dein Abschiedsfest und wünschen dir alles Gute für die Zeit des Ruhestands. Möge auf allen deinen Plänen Gottes Segen liegen.

Einladung:

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Jürgen Holly in den Ruhestand findet am Sonntag, 31. Mai um 15 Uhr in der Klosterkirche statt. Herzliche Einladung, auch zum anschließenden Empfang im Gemeindehaus.