Kirchenkreis und Diakonieverband feiern 20 Jahren Beratung für schwangere Frauen
2005 kam Andrea Schink als Kirchenkreissozialarbeiterin in den Kirchenkreis Ronnenberg. "Zu Beginn machte ich eine Arbeitsfeldanalyse und sah den Bedarf für die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung auch hier im Kirchenkreis. Und so konnte dieses Beratungsangebot 2006 nach der Anerkennung durch das Land Niedersachsen an den Start gehen", erinnerte sie nun im Rahmen einer Feierstunde am Mittwoch, 9. September in den Räumen des Diakonischen Beratungszentrums in Ronnenberg. Schon seit 1992 hatte sie für diese besondere Aufgabe die nötigen Qualifikationen.
"Die Beratung mache ich immer mit der Frau und nie gegen sie. Es ist ein systemrelevantes Angebot für Frauen, die mit ganz unterschiedlichen Fragen und Ängsten zu mir kommen und die oft unter erheblichen Zeitdruck stehen. Oft geht die Begleitung über die Schwangerschaft oder auch den Abbruch hinaus. Und zum Glück gibt es mittlerweile ein gutes Netzwerk und Angebote wie die Frühen Hilfen, Familienhebammen, das Diakonielädchen kids oder Bin da in den ersten Lebensjahren", erklärte Andrea Schink.
Sandra Heuer, Geschäftsführerin des Diakonieverbandes Hannover-Land, dankte ihr für diese wichtige Aufgabe. Sie hob die Bedeutung des Angebots hervor - für die Frauen und Paare, die vor schwierigen Entscheidungen stehen. "Diese Menschen brauchen jemanden, der zuhört, der hilft, ihre Gedanken zu sortieren und der ihnen zutraut, eine eigene Entscheidung zu treffen. Genau dafür steht die Schwangerschaftskonfliktberatung", sagte sie und warf einen kritischen Blick auf die aktuelle politische Lage. "Wir erleben, dass Menschenrechte und das damit verbundene Recht von Frauen auf Selbstbestimmung neuerdings disktuiert und manchmal sogar infrage gestellt werden. Aber die Selbstbestimmung der Frauen ist nicht verhandelbar. Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar. Die Möglichkeit, Beratung in Anspruch zu nehmen, ist auch nicht verhandelbar. Wir werden uns weiterhin für eine ergebnisoffene Beratung engagieren".
Zu den Gratulanten am Nachmittag gehörte auch der Ronnenberger Bürgermeister Marlo Kratzke. Die Arbeit der Diakonie und in der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung halte er für essenziell. "Es ist eigentlich eine staatliche Aufgabe, und Kirche und Diakonie übernehmen so viele Aufgaben, für die ich im Namen der Stadt Ronnenberg nur danken kann", betonte er. Für den Diakonieausschuss des Kirchenkreises kündigte auch Marianne Riecke jede Untersützung an. "Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass es diese wichtige Angebot gibt für Menschen in persönlichen Extremsituationen", sagte sie.
Im Anschluss an die Grußworte stellten Sandra Oelker und Franka Grapentin vom Migrationsfachdienst des Diakonieverbandes Hannover Land die Beratung für Frauen vor, die von Genitalverstümmelung oder Beschneidung (kurz: FGM/C für Female Genital Mutilation/Cutting) betroffen sind. Es gibt in Niedersachsen drei Standorte für dieses Angebot, einer davon im Diakonieverband im Umland der Region Hannover. "Wir schaffen für die Frauen, die unter enormen sozialen Druck stehen, sichere Räume. Sie leiden oft unter chronischen Schmerzen und vor allem eine Schwangerschaft und Geburt sind besondere Herausforderungen. Deshalb ergänzen sich beide Fachgebiete, die Beratung bei FGM/C und die Schwangerenberatung", erklärte Sandra Oelker. Weitere Informationen dazu unter: www.dv-hl.de/migration
Fotos und Text: Freitag


