Sabine Sahling (SaS) vom Redaktionsteam im Gespräch mit Pastorin Kristin Köhler (KK)
SaS: Liebe Kristin, du verlässt zu unser aller Bedauern zum 31. August die Gesamtkirchengemeinde, um eine neue Aufgabe zu übernehmen. Wenn du auf deine Zeit in der Petrusgemeinde zurückblickst: Welche drei Wörter beschreiben sie am besten?
KK: prägend, herausfordernd, belebend
SaS: Gibt es Begegnungen oder Erlebnisse, die dir besonders in Erinnerung bleiben werden?
KK: Viele Kasualgespräche bleiben mir in Erinnerung. Wenn es um das Leben, die Existenz ging, bei Taufen, Hochzeiten oder Trauerfeiern, sind oft Beziehungen entstanden und geblieben, auch in der Arbeit mit Konfis und in der Jugendarbeit.
SaS: Worauf blickst du mit besonderer Dankbarkeit zurück?
KK: Die Petrusgemeinde war meine erste Stelle als Pastorin. Die Zusammenarbeit mit Michael Rehren war mir eine sehr große Hilfe. Ich konnte meine Möglichkeiten ausprobieren, er hat alle Veränderungen mitgetragen und mich unterstützt. Auch die Entstehung der Gesamtkirchengemeinde hat mir viel Kraft und Energie gegeben. Für die Gemeinschaft im Team der Pastor*innen mit Diakonin und Gesamtkirchenvorstand und die große Bereitschaft etwas Neues zu beginnen und einander zuzuhören, bin ich sehr dankbar.
SaS: Wie leicht oder schwer fällt dir der Abschied?
KK: Ich bin seit neun Jahren in der Petrusgemeinde. Zum einen fällt mir der Abschied leicht, weil ich meine Energien und Kompetenzen noch einmal an einem anderen Ort einsetzen kann, z. B. absolviere ich seit fünf Jahren eine pastoralpsychologische Weiterbildung, die mich zur Supervision berechtigen wird. Andererseits fällt es mir sehr schwer, die Menschen, die Beziehungen und die Prozesse in der Gemeinde zu verlassen.
SaS: Was wirst du am meisten vermissen?
KK: Es fühlt sich an, als würde ich mein Nest, etwas Vertrautes, verlassen. Ich werde es vermissen, Pastorin in der Gemeinde zu sein; auch viele vertraute Menschen und die Gesamtkirchengemeinde werde ich vermissen.
SaS: Gibt es etwas, das du der Gemeinde zum Abschied noch mit auf den Weg geben möchtest?
KK: Ich möchte sagen, dass es eine Freude sein kann zu wissen, dass nichts bleiben muss, wie es ist, und dass sie sich auf das Neue einlassen möge.
SaS: Du wechselst in eine neue Aufgabe im Hospiz. Was hat dich daran besonders gereizt?
KK: Die Aufgabe passt zu meiner Weiterbildung, denn ich arbeite derzeit schon in einer Lebensberatungsstelle in Hannover. Im Hospiz erwartet mich auch eine andere Art der Trauerarbeit, eher die Begleitung am Ende des Lebens. Es wird ein Teil meiner Aufgabe sein, Gesprächsräume zu öffnen, in denen Menschen über ihre Ängste, ihre Wut, ihre Hoffnung ins Reden und Fühlen kommen können.
SaS: Was gibt dir Kraft, wenn du vor Veränderungen stehst?
KK: Trotz aller Zweifel und Hiobsbotschaften, die uns täglich erreichen, habe ich ein Grundvertrauen in die Menschen, die Welt und auch in mich. Ich habe eine große Neugier auf Neues und sehe die Welt noch immer als einen guten Ort.
SaS: Was wünschst du dir persönlich für deinen neuen Lebens- und Arbeitsabschnitt?
KK: Ich möchte mich als Pastorin mit neuen oder anderen Gaben und Kompetenzen kennenlernen und auch Neues lernen. Der 1. September ist in jeder Hinsicht ein Neuanfang, da ich auch Barsinghausen als Wohnort verlassen werde.
SaS: Was bedeutet Glück für dich?
KK: Es bedeutet zu wissen, dass ich nichts weiß, dass mein Leben mit allem Guten, aber auch Problemen nicht festgeschrieben ist, dass es nicht gradlinig verläuft, aber verschiedene Menschen als feste Konstante da sind.
SaS: Welche Eigenschaften schätzt du an anderen am meisten?
KK: Wenn sie lösungsorientiert sind und Flexibilität, Spontaneität und Leichtigkeit an den Tag legen.
SaS: Welcher Song beschreibt gerade dein Leben am besten?
KK: Heiliges Fernweh von Fortuna Ehrenfeld. Der Song thematisiert die Sehnsucht nach etwas Neuem und die Ahnung, dass man trotz Veränderung getragen ist und es immer weiter geht. Das Verlangen nach Freiheit und neuen Erfahrungen, eine Art Emanzipation.
SaS: Was würdest du deinem jüngeren Ich sagen?
KK: Mit Blick auf die Freiheit, die ich jetzt spüre, würde ich sagen: „Such deinen eigenen Weg, hör nicht darauf, was andere sagen oder von dir verlangen.“
SaS: Liebe Kristin, vielen lieben Dank für das offene Gespräch. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute auf deinem weiteren Lebensweg und Gottes Segen, bei allem, was du vorhast.
Text: Sabine Sahling